California King.

Eine Lodge zu betreiben heisst zum einen, dass man (wie eine Nachbarin so schön gesagt hat) als „glorified cleaner“ sein Geld verdient. Wer mich kennt, weiss, dass putzen nicht so meine Lieblingsbeschäftigung ist und wird sich wahrscheinlich mit der flachen Hand vor den Kopf schlagen, ungläubig dass nun gerade ICH mir so einen Job ausgesucht habe. Was soll ich sagen. Putzen für Geld ist gar nicht so schlimm! Und in unserem komplett neuen Haus gibt es keinerlei schwierige Ecken oder Oberflächen. Alles schön im rechten Winkel angelegt und vor allem sehr sehr pflegeleicht. Da schaff selbst ich das putzen sogar noch mit einem Lächeln im Gesicht. Mucke an und los geht’s!

Zum anderen bedeutet Lodgebusiness sehr SEHR viele Betten zu beziehen. Um dies tun zu können, sind Ben und ich vor einiger Zeit losgezogen, um Betten, Matratzen und die entsprechende Bettwäsche zu kaufen. Man braucht Laken, Bettbezüge, Kopfkissenbezüge und sowieso auch noch die Kopfkissen und Decken selbst. Kein Ding denkt man da. IKEA wird’s schon richten! Pustekuchen. IKEA gibt’s nicht. Und da fängt der ganze Schlamassel an:

Nach kurzer Recherche findet man natürlich etliche anderer Läden, die alles anbieten, was man rund um das Bett und seine Ausstattung benötigt. Unser Laden des Vertrauens nennt sich „bed, bath & beyond“ und hält was er verspricht. Style und Auswahl sind zufriedenstellend und auch die Preise sind zumindest halbwegs OK. Zumindest wenn man die Preise anderer Geschäfte vergleicht. Da kostet ein Set Bettwäsche aus Ägyptischer Baumwolle (it’s a thing!) gut und gerne mal 300-400$!!!

Nun gut. Wir machen uns also eine kleine Liste und überlegen uns, was wir gern hätten. Baumwolle soll es sein. Kein Polyester. Weiss soll es sein. Keine albernen Muster. Und möglichst pflegeleicht soll es sein.

Wir stromern also durch den besagten Laden und treffen dort Heather, die netteste Verkäuferin der ganzen weiten Welt. Sie ist ganz entzückend und hört sich geduldig all unsere Wünsche und Vorstellungen an. Dann zieht sie die Augenbrauen hoch und sagt mit einem etwas verzweifelten Grinsen: Das haben wir so nicht. Hm. Huch? Ihr habt keine Bettwäsche?! Doch doch, Bettwäsche gibt’s schon, aber…. anders……

Folgend ein kleiner Abriss, was Heather damit sagen wollte. Betten machen in Neuseeland ist nämlich eine Wissenschaft für sich.

Wir kennen:

  • Bettlaken (meistens schön stretch-spannbettlaken, damit alles gut straff sitzt)
  • Bettbezug für die Bettdecke (eine grosse für ein Pärchen, aber auch gern mal zwei einzelne in einem grossen Bett)
  • Kopfkissenbezug (meistens 80x80cm)
  • Wenn’s hochkommt, hat man noch ne Tagesdecke als Überwurf ueber dem Bett.

Bis hierhin könnt ihr mir folgen, oder?

So. Jetzt die Neuseeländische Variante. Anschnallen!

  • Bettlaken (fitted sheet genannt, wenn es ein Spannbettlaken ist, das aber nicht stretching ist, sondern einfach nur so ein Gummi in den Rand gezogen hat. Ein Bettlaken ohne Gummiband nennt sich flat sheet oder auch bottom sheet.)
  • Bettdecke. Gibt es, nennt sich Duvet und der Bezug dazu nennt sich Duvet cover. Bettdecken gibt es wie bei uns aus allen möglichen Materialien und verschiedenen Wärmegraden und Größen. Fein.
  • Kopfkissen. Das Standard-Kopfkissen in Neuseeland ist ca. 40x75cm gross. Also ca. halb so gross wie die in Deutschland. 80x80cm kennt hier kein Mensch. Dann gibt es aber noch andere Kopfkissen, die ggf. sogar das gleiche Mass haben wie die  Kopfkissen, auf denen man schläft, die aber mit anderen Bezügen bezogen werden. Diese kommen meistens zusammen mit dem Comforter (dazu weiter unten mehr) und haben das gleiche Design wie dieser. Diese beiden Kissen sind also nur zur Deko. Dazu gibt es dann noch passende Dekokissen, die etwas kleiner sind, aber auch dieses rechteckige Format haben. UND DANN NOCH kleine quadratische Zierkissen, die ganz vorne stehen. Ich fasse zusammen: Der Neuseeländer hat also gut und gerne mal 8 Kissen im Bett fein säuberlich aufgereiht. Davon fliegen 6 nachts raus und auf zweien wird geschlafen.
  • Kopfkissenbezug: Diese kommen meistens im Zweierset mit der restlichen Bettwäsche. Also entweder mit dem Duvet cover oder mit dem Sheet Set. Siehe nächster Punkt.
  • Sheet Set und Comforter. Sheet sets bestehen aus einem bottom sheet (entweder fitted oder flat), einem Top Sheet und zwei Kopfkissenbezügen. Das Top Sheet wird mit einer Wolldecke oder einem Comforter bedeckt, der warm hält, selbst aber nicht bezogen ist. Das ist eine Art Tagesdecke, die das finale Design der Bettgestaltung festlegt. Er kann sehr simpel und dünn sein, im Winter aber auch mal plustertig und gesteppt. Das Top Sheet ist größer als der Comforter und wird am Kopfende umgeschlagen, sodass eine saubere Kante entsteht. Gewaschen werden bei dieser Konstellation immer nur die Laken und Kopfkissen (der Comforter gelegentlich). Die Sheets ersetzen also die in Deutschland verwendeten Bettbezuege. Sheets werden aber traditionell UNTER die Matratze geschlagen. Das heisst, wenn man ins Bett geht, muss man entweder ganz slick am Kopfende reinschlüpfen und kann sich dann den Rest der Nacht nicht mehr bewegen oder man muss erstmal alles auseinander reissen, um überhaupt ins Bett gehen zu können. Ganz zu schweigen vom Verrutschen des top-sheet-comforter-Stapels, wenn man sich nachts mal bewegt……

So. Und um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es nicht wie bei uns Massangaben für Betten, Decken, Kissen, sondern Namen. Single, King Single, Double, Queen, King, California King. Aha. Hat einen Moment gedauert, bis wir wussten was was ist, aber unsere liebe Heather hat auch das seelenruhig erklärt. Immer und immer wieder. Sie hat sogar mit uns umgerechnet, mit welchen Bezügen wir die aus Deutschland mitgebrachten Betten beziehen können. Mann ey, wir waren locker drei Stunden in dem Laden. Heather verdient eine Gehaltserhöhung!

Die liebe Heather hat uns auch noch erklärt, dass man auf alles was man im Bett hat auch noch einen Schoner zieht. Also Kopfkissenschoner,  Matrazenschoner etc….  Die gibt es aus allen möglichen Materialien, wasserdicht, nicht wasserdicht…… die Liste geht endlos weiter.

Wir haben nur(!) drei Zimmer in unserer Lodge. Darüber war ich das erste mal bewusst richtig froh, nachdem wir unser Meeting mit Heather beendet hatten. Das Auto quoll über vor lauter Dingen, von denen wir bis dahin nicht wussten, dass wir sie brauchten. Wir haben zwei Zimmer mit Queen Betten und eins mit einem King Bett. Unser eigenes Bett is California King Size. Alles hat fitted sheets, duvet cover sets und comforter. Die Betten haben passende Heizdecken, da wir keinerlei Heizung in den Zimmern haben. Hinzu kommt, dass wir noch viskoelastische Topper fuer die Matratzen gekauft haben. Wer nicht weiss, was es ist, sollte es 1. googlen und 2. kaufen. Ein Traum!!!

Gerade haben wir uns für den Sommer ausgestattet. Zu den drei Doppelzimmern kommen noch zwei zuszätzliche Sleepouts. Ein Doppelzimmer und ein Zweibettzimmer. Also ein Queen und zwei single Betten. Alles wird „nur“ noch mit sheet sets und comfortern ausgestattet, da es ja warm genug sein wird. Wir haben mittlerweile bei bed bath & beyond einen wholesale account und bezahlen nur noch den Einkaufspreis für alles. Das lohnt sich besonders, weil wir für jedes Zimmer alle sets 3x gekauft haben, damit wir genug Zeit für einen Wäschedurchlauf haben, wenn die Gäste wechseln. Danke Heather.

So. Und wer mir jetzt auflisten kann, was wir alles für 3 Queen Betten, 2 Single Betten und ein King Bett alles kaufen mussten, der kriegt ein persönliches Geschenk von mir von dem ich mir noch überlegen muss, was es ist. Vielleicht ein echt Neuseeländisches sheet set. Mit Initialen drauf. 😉

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