Serenity.

Wie in meinem letzten (zugegebenermassen lang zurückliegenden) Post angekündigt, gibt es um den Begriff Serenity eine recht spannende Story zu erzählen. Zum Kontext: Ben und ich haben nun unser Haus in eine wie ich finde sehr exklusive Lodge verwandelt, in der wir 3 wunderschöne Gästezimmer anbieten. Alles mit einem liebevoll hausgemachten Frühstück jeden morgen und natürlich fußläufig zu unserem wundervollen Nationalpark. Wer mal einen Blick riskieren möchte, oder vielleicht sogar vorbei kommen will, hier unsere website:

http://www.serenitylodgenz.com

Wie kam es zu all dem? Ich will es euch erzählen:

Ben und ich haben immer schon viel Freude daran gehabt, Gäste zu haben und diese zu bewirtschaften, zu bespassen und zu betueddeln. Wer uns mal in Berlin auf dem Hausboot besucht hat, der kennt unsere Dinnerabende, die selbstgebackenen Kuchen und/oder das ausgiebige Frühstück. Selbst ohne Gäste haben wir beide es uns immer nett gemacht und nicht nur baulich an Dingen am Boot rumgebastelt, sondern auch in der Küche die ein oder andere Leckrigkeit zusammengebraut. Wir kochen beide unheimlich gerne und ich wuerde behaupten, dass wir beide gleichermassen gut darin sind.

Bevor wir uns kennenlernten, hat Ben bereits regelmäßig grosse Dinnerparties geschmissen, bei denen er zehn oder mehr Gäste mit fünf herrlichen Gängen bekocht hat. Dazu der passende Aperitif, der passende Wein, die passende Musik und Kerzenlicht für die passende Stimmung. Von der Gestaltung des gedeckten Tisches bis hin zu den Geschichten, die am Abend erzählt wurden, war damals und auch aktuell alles ein wohlfunktionierendes Konzept, das nicht grossartig durchdacht und geplant werden musste, sondern wie natürlich seinen Weg gefunden hat und weiterhin findet.

Ich habe das Kochen von Kindesbeinen an im Elternhaus miterlebt und fand es immer spannend wie durch Garzeiten, Zutaten und Schnittweisen ein leckeres Gericht entstehen kann. Meine Eltern können beide wunderbar kochen und haben nicht nur ein gutes Gespuehr für Zutaten und Gewürze, sondern hatten Dank unseres riesigen Gemüsegartens, den meine Mutter unermüdlich gehegt und gepflegt hat, auch die wunderbarsten Zutaten. Alles frisch und gesund und ungespritzt. Das Backen kam bei mir erst später dazu. Nach mehreren erfolglosen Versuchen einen Kuchen zu backen, habe ich dieses Handwerk nicht weiter verfolgt und bin erst vor ein paar Jahren darauf gekommen, dass auch das Spass machen kann.

Nun. Ben und ich zusammen haben das Ganze zu einer Art Hobby weiterentwickelt und haben die Wochenenden lieber mit Kochen und Backen als mit Parties und Feiern verbracht. Wir beide bekamen oft zu hören, dass wir das doch beruflich machen sollten. Doch ein Restaurant zu eröffnen schien uns beiden völlig übertrieben und hätte den Spass daran wahrscheinlich in nullkommanichts ruiniert. Vor allem in Berlin.

Ich hatte seit ein paar Jahren bereits die Idee eine winzige Art Pension zu eröffnen und erkundigte mich ueber Bestimmungen, Steuergesetze und Moeglichkeiten, doch in Berlin schien mir das Ganze zu umständlich und nicht wirklich das was ich wollte. Da ich ja aber auch einen anderen Job hatte, der zum Teil sehr fordernd sein konnte, wurde diese Idee nicht weiter verfolgt.

Doch jetzt hatten wir die Gelegenheit, unsere Träume umzusetzen und genau das zu machen, was wir wollten: Ein kleines Gästehaus, das so überschaubar ist, dass man es zu zweit easy managen kann und aber zeitgleich so viel abwirft, dass wir beide davon leben und vor allem den Kredit, den wir dafür aufgenommen haben, abzubezahlen. Dank meines betriebswirtschaftlichen Hintergrunds und meiner Erfahrung als Projektmanager konnte ich relativ easy alle Zahlen zusammentragen und eine Kalkulation dessen was auf uns zukommen würde erstellen. Mit den schlechtesten anzunehmenden Zahlen sah alles trotzdem noch so gut aus, dass es – wie man hier sagt – ein „no-brainer“ war. Hinzu kommt die Gewissheit meinen Lieblings-Profi-Handwerker an meiner Seite zu haben, was uns bei allem nicht nur hilft, sondern am Ende viel Geld spart, weil wir eben so gut wie alles selbst machen können. Wir nahmen also einen Kredit auf und kauften das Haus.

Als wir die Immobilienanzeige für das Haus sahen, hatte diese die Ueberschrift: „Wake up to the sounds of serenity.“ Was soviel heisst wie „Wache zu dem Geräusch der Gelassenheit auf.“ Das klang doch wirklich sehr attraktiv. Der Begriff Gelassenheit hat in meinem Leben eine sehr besondere Bedeutung eingenommen, nachdem ich im Jahr 2009 einen kompletten burn-out erlitt. Der anstrengende Job, riesiger Stress, verdrängte Altlasten die sich in dem Vordergrund spielten und ein noch größerer Perfektionismus zwangen mich für mehrere Wochen und Monate in die Knie und sorgten dafür, dass ich nur mithilfe von Gesprächstherapie und viel Geduld und Verständnis meiner Freunde, Familie und meines Arbeitgebers wieder in der Lage war da heraus zu kommen. GELASSENHEIT war damals mein Größtes Ziel. Wenn man eine solche Phase durchlebt, die durch Panik, Depression und Angst geprägt ist, scheint Gelassenheit ein unerreichbares Ziel weit in der Ferne – ja fast wie in einem Science Fiction Roman. Etwas was es in schönen Schnulzfilmen gibt, aber in Echt kann das ja gar nicht sein….. Pfff. Gelassenheit. Genau…..

Ich tendiere dazu mir Dinge, die ich mag bzw. mir wünsche oder nicht vergessen möchte, auf meinen Körper zu tätowieren. So hielt ich Ausschau nach Bildern order Schriftzügen, die das Wort „SERENITY“ beinhalten bzw. verkörpern. Am ende gefiel mir nichts, da es leider ein recht abgedroschenes Motiv ist. Also kam es am Ende nicht zu dem Tattoo. Trotz allem hat mich dieser Gedanke lange begleitet. Irgendwann ging es mir dank konzentrierter Arbeit an mir selbst und konsequentem mich-in-den-Mittelpunkt-meines-Denkens-und-Handelns-stellen viel besser und der Wunsch nach Serenity verblasste. Das leben geht weiter, die Welt dreht sich weiter. Einfach so.

Als wir nun das Haus kauften, hatten wir direkt tausende Ideen, wie wir denn unseren Garten gestalten wollen. Da die vorhandenen Büsche und Bäume leider von einem merkwürdigen Pilz befallen waren, musste alles rigoros gerodet und zurückgeschnitten werden. Schade drum, aber eben auch die Chance eine blanke Leinwand vor sich zu haben, die man neu bemalt. Wir wollen schon immer ganz viel Lavendel und Rosmarin pflanzen, die hier wie verrückt wachsen, super riechen, Bienen anlocken und zudem beide zarte lilafarbene Blüten haben. Nicht dass wir jetzt die Riesen Lila-Fans wären, aber der Gedanke gefiel uns. Aus den beiden ersten Pflanzen wurde bald der Gedanke, dass wir alles im Garten in verschiedenen Lila-Toenen halten.

Als wir noch beschäftigt waren, alle Papiere für die Anwälte und den finalen Kauf auszufüllen und abzuschicken (Yeah. Formulare ausfüllen. Nicht.), haben wir uns abends einen Film angeschaut. „Beginners“ mit Ewan McGregor (https://www.youtube.com/watch?v=rXUFUp6vsxg). Der Film ist schön und hat uns gut gefallen, was wir aber tatsächlich am beeindruckendsten fanden, war die Szene in der die Regenbogenfahne der LGBTQ-Szene erklärt wird. Hier steht jede Farbe für einen Begriff. Und jetzt ratet mal, für was Lila steht. Richtig. Serenity. Bingo.

Alles schien als ob das Haus nur auf uns gewartet hat! Naja, ihr kennt das wahrscheinlich: Wenn man sich in einer Phase speziell auf etwas konzentriert, dann scheint es plötzlich mysteriösersweise überall zugegen zu sein. Egal ob es nun ein höheres Zeichen, ein Wink des Schicksals oder einfach nur Zufall war: Wir waren und sind immer noch Feuer und Flamme über unser Haus und erwischen uns täglich schmunzelnd unser neues Heim betrachtend. Alles richtig gemacht.

Das Tattoo hat es nicht auf meinen Körper geschafft. Muss es auch nicht mehr. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wir wachen jeden Tag zu den Sounds of Serenity auf. Was will man mehr? 🙂

Advertisements

4 Antworten auf „Serenity.

  1. ach ick freu mich jetzt schon auf Januar 2019 🙂 aber dann könnt ihr ein yogaretreat bei euch ankündigen… I am certified yoga teacher in Octobre 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s