Angekommen.

Jahaaa! Es gibt wieder Neues zu berichten! Nachdem wir jetzt bereits seit ca. 2 Wochen in unserem neuen Heim leben (OH YEAH!), hab ich endlich Zeit und Musse, mich hinzusetzen und zu schreiben. Da ich gerade allein zu Haus bin, weil Ben bei der freiwilligen Feuerwehr ist (dazu später mehr!), habe ich es mir auf unseren wenigen Möbeln vor unserem grossen Ofen in unserem noch grösseren Wohnzimmer gemütlich gemacht. Mit Wolldecke auf dem Schoss und einem Weisswein vom Weingut nebenan am Rechner zu sitzen hat etwas Romantisches und aber auch unglaublich Reales. Endlich.

Unser Leben hier hat nun ENDLICH begonnen. Wer miterlebt hat, wie sehr wir auf diesen Moment hingefiebert haben, wird erleichtert ausatmen und unser Gefühl nachvollziehen können. Wir haben nun seit über einem Jahr – um genau zu sein 15 Monate – dafür gekämpft, dass dieser Traum wahr wird. Doch eigentlich ging es bereits noch früher los:

Der erste Gedanke an Auswanderung in Verbindung mit Neuseeland entstand bei Ben und mir gegen Weihnachten 2015. Das ist jetzt 1,5 Jahre her…. Damals beschlossen wir, dass wir uns dieses Land mal gemeinsam anschauen sollten, nachdem ich bereits 2x hier war (zu Besuch bei Freunden und natürlich zum Rumreisen) und Ben die ganze Zeit damit vollgequatscht habe, dass er es unbedingt mal sehen müsse und er es lieben würde. Letzteres konnte natürlich keiner wissen, um so wichtiger, dass wir mal zusammen dorthin reisten.

Da wir beide seit Beginn unserer Beziehung sehr viel vom Auswandern gesprochen haben, war ab dem ersten Moment an klar, dass wir uns Neuseeland speziell im Bezug auf ein dortiges Leben anschauen würden. Wir begannen also damit uns aus Deutschland bereits Immobilien und Gegenden anzuschauen, in denen wir  uns ein Leben vorstellen könnten. Ben wusste wie gesagt nichts über das Land am Ende der Welt, so fiel unser Fokus auf meine Lieblingsgegend: Die Nelson/Tasman Region. Hier hatte es mir bei meinen ersten Besuchen immer besonders gut gefallen und es zog mich immer wieder magisch dorthin zurück.

Wir schauten uns also alles mögliche im Internet an und buchten gleichzeitig Flüge für den Februar. Gesagt getan, sassen wir im Februar im Flieger nach Neuseeland. In Nelson angekommen, bezogen wir im Haus einer Freundin Quartier, die zu der Zeit in Australien arbeitete. So passten wir auf ihre Katze auf und hatten dafür ein gratis Dach über dem Kopf. Win-win. Von dort aus schauten wir uns jeden Tag neue Strassen, Gegenden und Orte an. Soweit uns das Auto und das Tageslicht führte. Nach einem kurzen aber heftigen Krankheitsanfall (Ben hatte sich im Flieger irgendeinen gemeinen Virus eingeheimst, der sich mit starkem Fieber bemerkbar machte und erst im Krankenhaus bekämpft werden konnte) schauten wir uns die ersten Immobilien an. Es gab vor allem eine Lodge, die wir gern übernommen hätten, da kam uns aber ein anderes Deutsches Pärchen zuvor da dies bereits inklusive Visum in Auckland lebte und schlichtweg schneller war als wir.

Nicht nur aufgrund der Visumssituation (bis zu dem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung was da auf uns zukommen würde), sondern auch wegen der Finanzen, mussten wir also ein bisschen geduldig sein. Wir mussten erstmal unser Hausboot in Berlin verkaufen, was nochmal eine ganz eigene Aufgabe werden sollte….. Dazu bei gegebener Zeit mal ein ganz eigener Post. Oder ein Buch.

Anyways…. Wir haben eine wunderbare Zeit in Neuseeland verbracht und waren uns ziemlich schnell sicher, dass dies unsere neue Heimat werden soll. Wir trafen uns mit einem Immigration Advisor (http://www.peterhahn.co.nz/Auswandern-nach-Neuseeland-Home.7.0.html – sehr zu empfehlen!!!), der uns als allererstes sagte, dass man so einen Auswanderungsprozess nur antreten sollte, wenn man es wirklich WIRKLICH will. Und das wollten wir.

Am Valentinstag unternahmen wir wieder eine unserer Touren durch die Gegend und fuhren Richtung Marahau – dem letzten Ort vor dem Abel Tasman National Park. Ben war immer noch ganz schön angeschlagen, hatte kaum gefrühstückt und redete nicht viel auf der Fahrt. Das war relativ ungewöhnlich für ihn, da er sonst wenigstens mit einem „Boah, ist das schön hier…“ ab und zu aus seiner Stille brach. Nun ja, dachte ich und fuhr weiter Richtung Norden, bis wir an einem kleinen Cafe im nirgendwo ankamen. Hier kehrten Wanderer ein, die sich entweder vor oder nach ihrem Hike stärken wollten. Da Hauptsaison war, war es relativ busy und es war ein ständiges Kommen und Gehen. Wir verzogen uns irgendwann hinter das Cafe auf ein kleines Stückchen grüne Wiese und legten uns ins Gras. Ben war immer noch schweigsam und etwas blass um die Nase. Ich hatte aufgehört ihn zu fragen, ob er OK sei, denn das war er offensichtlich nicht so ganz und die ständige Fragerei machte es auch nicht besser. Zudem war einen Tag vorher der Deal mit der Lodge zerbröselt, sodass wir ein bisschen vor dem Nichts standen. So sassen wir da. Im Gras. Mit der beeindruckenden Weite des Nationalparks vor uns, Sonne, Wärme und das Quaken und Zwitschern von allen möglichen Tieren um uns herum.

Wir unterhielten uns über die Lodge und ich versuchte positiv zu sein und sagte, dass es solche Gelegenheiten hier bestimmt immer wieder gibt. Das sei doch sicherlich nicht die letzte Lodge, die hier jemals auf den Markt komme etc….. Ben brummte zustimmend und drehte sich zu mir:

„Egal was kommt, du liebst mich, oder?“

„Häh?! Ja klar lieb ich dich!“

„Gut. Willst du mich heiraten?“

PADAZONGPADAUZKNALLPENGDONNERWETTER! 🙂 Der Rest ist Geschichte*.

Wir kamen mit grossen Plänen und vielen Neuigkeiten nach Deutschland zurück. Es gäbe viel zu tun auf unserer Mission, allerdings mussten erstmal Freunde und Familie von unseren wilden Plänen in Kenntnis gesetzt werden. Das war der härteste Schritt und sollte sich als sehr grenzwertige und ambivalente Erfahrung  herausstellen. Um es kurz zu fassen: Die meisten freuten sich für uns und gratulierten uns zu unserem Abenteuergeist, ein anderer Grossteil war natürlich traurig und bedauerte, dass wir diesen Entschluss gefasst hatten, ein paar Wenige reagierten leider mit völligem Unverständnis und waren damit beschäftigt, unsere Entscheidung zu ihrem Thema zu machen. So blieben tatsächlich ein paar Freundschaften auf der Strecke, was mich eine Zeit lang sehr mitgenommen hat, für mich nun aber klar ist, dass es richtig so war. Nicht jeder muss uns gratulieren. Nicht jeder muss unsere Entscheidung toll finden. Jeder darf seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Aber niemand darf unsere Geschichte zu seinem Ego-druchtränkten Enttäuschungsfeldzug machen, der überhaupt nichts mehr mit uns und unserer Entscheidung zu tun hat, sondern einzig und allein dazu dient, die sich für den Moment um uns drehende Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Nun ja. Das ist ebenfalls eine ganz eigene Geschichte und wahrscheinlich das nächste Buch in meiner Reihe. Wann soll ich die nur alle schreiben…..

Hiermit fing unser Auswanderungsmarathon jedoch erst an. Waren die kommenden Monate auch positiver gefüllt, waren sie zeitgleich aber auch sehr sehr anstrengend. Man muss es wirklich WIRKLICH wollen. Peter Hahn sollte Recht behalten. Wären Ben und ich nicht so ein Spitzenmäßiges Team, wäre es jedenfalls von Zeit zu Zeit mal schwierig geworden. Jedem von uns ist zwischendurch mal die Puste ausgegangen, aber es war immer noch der andere da, der einspringen und erledigen konnte. ERLEDIGEN. Das ist zusammengefasst das was wir die letzten 1,5 Jahre gemacht haben. Sachen erledigen. Scherzhaft nenne ich Ben ab und zu den ERLEDIGUNGS-MAN! Er hat bald Geburtstag, vielleicht nähe ich ihm ein Superhelden-Kostüm aus Spandex mit einem grossen „E“ auf der Brust. Ha!

ERLEDIGUNGS-MAN und ERLEDIGUNGS-WOMAN haben also die nächsten Wochen und Monate mit planen, erledigen, Infos zusammensammeln und Anträge ausfüllen, verschicken und ausfüllen und verschicken und ausfüllen und verschicken verbracht. Und das alles, um irgendwann ein neues Zuhause zu haben.

Fast forward: Jetzt sind wir hier. In unserem neuen ganz eigenen wunderschönen, grossen, hellen, ruhigen Zuhause. Wer hätte das gedacht… Jeden Tag erwischen wir uns dabei, wir wir grinsend vor uns hin starren und einfach glücklich sind. Glücklich angekommen zu sein. Glücklich ein so wunderbares Zuhause gefunden zu haben.

Ich merke, wie ich die letzte Woche bevor jetzt unser Container endlich ankommt, kaum noch aushalten kann. Wir haben bis jetzt nur die Möbel, von denen wir wussten, dass wir sie hier noch kaufen müssen und warten noch auf alles, was noch im Container unterwegs ist. Das heisst, das unser Haus noch relativ leer ist. Aber von Tag zu Tag kommt nun ein bisschen mehr Wohnlichkeit hinzu. Und sei es nur eine Kerze, ein Beistelltisch für das Bett oder ein Staubsauger. Unser Container ist bereits in Nelson (ca. 45 km von hier), wird aber erst am Donnerstag nächster Woche geliefert. Für den Freitag haben wir unsere allererste Buchung für die Serenity Lodge! (YAY! Mehr davon!) Da muss alles stehen. Das wird ein bisschen knappi, aber auch das schaffen wir jetzt noch. ERLEDIGUNGS-MAN und ERLEDIGUNGS-WOMAN haben schliesslich eine ganze Nacht Zeit die Möbel zusammenzusuchen und im gebuchten Zimmer zu positionieren, die Küche mit Geschirr und Besteck auszurüsten und so zu tun, als würden wir es so wollen, dass unsere Lodge sehr spartanisch eingerichtet ist. Das voraussichtliche unfassbare Chaos in der Garage sieht ja keiner. Haha! Wird schon….

So. Jetzt muckel ich mich mal wieder ein und glotze was schönes, bis der Mann wiederkommt und von seinen Heldentaten berichtet. Heute ist Wintersonnenwende in Neuseeland – das heisst wir hatten den kürzesten Tag des Jahres. Ab heute wird es also jeden tag wieder ein bisschen länger hell. Darauf freu ich mich.

Es gibt noch soooo viel mehr zu berichten…. Zum Beispiel wie verrückt und unglaublich die Geschichte ist, wie und warum und wieso wir dieses Haus hier gefunden haben und welche verrückten Zufälle (oder war es Vorbestimmung?) es um den Begriff SERENITY gibt. Oder warum Ben plötzlich bei der freiwilligen Feuerwehr ist. Bleibt dran!

 

*Für die, die es nicht wissen: Wir haben uns am 9.9.2016 in Berlin das Ja-Wort gegeben. 😉

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