Gottesanbeterin am Morgen, vertreibt Kummer und.. naja.

Da sitzt sie. Eine Gottesanbeterin. Einfach so. Auf meinem bunten Seidenkleid. Oder ist es ein er? Der Einfachheit halber nehmen wir mal an, es ist eine sie. DER Gottesanbeterin… Klingt ja doof.

Was wollte ich erzählen? Ach ja. Na da sitzt sie also, die kleine knallgrüne Gestalt. Mit riesigen Augen und grätigem Körperbau. Mein Kleid sieht ein bisschen aus, wie mit Wasserfarben in blau bis gelb angemalt. Vielleicht denkt sie es ist eine Blume? Sie hat sich bestimmt in meinen Räumlichkeiten verirrt und war total froh, dass sie endlich eine Blumenwiese gefunden hat! Schade, Mäuschen. Is nich.

Ich schaue sie mir genau an und komme ihr zwecks Beweisfotos relativ nah. Da fängt ihr ganzer Körper langsam an zu wippen. Wie ich im Nachhinein gelesen habe, imitiert sie ein Blatt im Wind frei nach dem Motto: „Ich bin gar nicht da, du kannst mich gar nicht sehen. Ich bin nur ein schaukelndes Blatt im Wind auf dieser wunderschönen Blumenwiese. So.“ Um ein kleines Schaukel-Video zu machen, rücke ich mutig noch ein Stückchen näher, da dreht sie ihren Kopf zu mir und guckt mich an, als würde sie sagen wollen „Was’n?!“ (siehe Video!).

Lustiges kleines Tierchen, aber eben auch ein bisschen ungeheuerlich. Ich murmele mir still im Hinterkopf das Mantra „es gibt keine giftigen Tiere in Neuseeland“ vor, fasse mir ein Herz, mit der anderen Hand den Kleiderbügel samt seidiger Blumenwiese und wippendem Blatt-Getier und bringe alles nach draußen.

Dort hänge ich den Bügel an die Stufen der Veranda und versuche mithilfe eines Pinsels, den ich im Abstellraum gegriffen habe, die Gute von meinem Kleid zu bugsieren. Sie guckt mich wieder an und ihr Blick sagt sowas wie „Ey!“. Sie geht EINEN Schritt zu Seite und versteht aber offensichtlich nicht, dass ich nicht möchte, dass sie auf meinem Kleid wohnt. Ich schupse nochmal. Sie geht noch einen Schritt. Ich schupse und schupse und schupse bis sie freiwillig ein paar Schritte geradeaus läuft. Noch ein kleiner Hopps, dann sitzt sie in der Wiese. Komm schon! Ein letzter beherzter Pinselschupser und da sitzt sie in ihrem eigentlichen Lebensraum. Dem Gras.

Ich nehme mein Kleid, gucke nochmal, ob nicht noch mehr lustige Tiere darauf angesiedelt haben und drehe mich nochmal um, um Frau Gottesanbeterin Tschüss zu sagen – da kann ich sie schon nicht mehr sehen. Sie ist in ihrem grünen Gewand in der Wiese verschwunden und womöglich auf der Suche nach neuen Abenteuern. Oder Seidenkleidern. Gute Reise!

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