St. Heliers. Meine Hood.

Jap, ich wohne in St. Heliers, Auckland. Ich hab noch gar nicht sooooooo viel von der Stadt gesehen, bin aber fest davon überzeugt, dass dies der ultimative Stadtteil ist. Es ist eigentlich wie eine eigenständige Kleinstadt (ich berichtete bereits).

Es gibt alles was man braucht und gerade nur so viel, dass es nicht nervig ist. Vor allem aber gibt es einen traumhaft schönen Strand. Und der ist fußläufig zum Büro UND zu meinem Zuhause. Was kann es denn besseres geben?!

St. Heliers Beach ist ein langer Strand der besonders bei Flut wirklich bezaubernd ist. Man kann entweder auf dem feinen Sand mit Muscheln geziert liegen oder man rückt eine Etage höher zur Promenade und nutzt den Rasenstreifen mit Bäumen zum sandfreien oder wahlweise schattigen Sonnenbaden.

 

Das Publikum ist bunt gemischt, vorrangig aber Leute von 30-60, gut situiert und viiiiieeele viele Kinder (in Neuseeland liegt die durchschnittliche Anzahl der Kinder bei 2-3, in Deutschland unter 1,5). Ein bisschen eine Mischung aus Prenzlauer Berg und Schlachtensee, eine Prise Charlottenburg, ein Hauch Zehlendorf. Mit Strand.

 

Es gibt den besten Kaffee, das beste Pain au Chocolat, das beste Sushi. Einfach so. An der Bude nebenan. Nice.

 

Lustig zu beobachten ist es an der Strandpromenade, was für Gestalten in was für Karren vorbeifahren (für die Rintelner unter euch: Weserstraße früher VOR der Schaffung der Fußgängerzone. Haha!):

Da gibt es die Richies, die mit ihren Ferraris und Lamborginis entweder ganz langsam, aber scheinbar ungeduldig vorbei jaulen, oder mit Vollgas bis zum nächsten Speedbump brettern, um dann umständlichst ihre Karre darüber zu buchsieren.

Die Prollos, die mit unfassbar aufgemotzten getuneden Mistschleudern 13.000x im Kreis fahren und bei offenen Fenstern wummernden Hip Hop aus den 90ern hören (so Scheiße, dass es schon fast wieder cool ist).

Die Oldtimer-Liebhaber (es gibt anscheinend eine riesige Szene an Ami-Schlitten-Besitzern, die besonders an Feiertagen ihr wohl-poliertes Cadillac- oder Mustangbaby ausführen).

Die Bauarbeiter, die mit aufwendigst ausgebauten Transportern irre langes Baumaterial auf ihren bis zur vorderen Stoßstange verlängerten Dachgepäckträgern vorbeitransportieren.

Und die asiatischen Mamis, die in ihren kugeligen Plastikschleudern nervös navigierend den Verkehr zum Erliegen bringen.

Herrlich. Eine bunte Mischung.

 

Letzten Samstag bin ich nach Auckland Downtown aufgebrochen, um ein paar Besorgungen zu machen und in meinen Lieblings-Second-Hand-Shop zu gehen (wer sich mal in Auckland rumtreibt, sollte UNBEDINGT bei Tatty’s (http://www.tattys.co.nz) vorbeischauen, lohnt sich IMMER!).

 

Der Unterschied von St. Heliers zu Downtown Auckland ist gravierend. Fühlte sich ein bisschen so an, wie Samstags über’n Alex SCHLENDERN zu wollen. Einfach unmöglich. Abgesehen von einigen netten Shops ist die Stadtmitte einfach mächtig überfüllt. Besonders natürlich am (langen) Wochenende. Ein Junggesellenabschied nach dem anderen torkelte um 11:00 Uhr sternhagelvoll an mir vorbei, Backpacker mit riiiiieeesigen Rucksäcken bahnen sich ihren Weg zum Busbahnhof oder zum nächsten Hostel, Horden von asiatischen Touristen und zusätzlich noch ein Kreuzfahrtschiff im Hafen, der direkt an die Haupteinkaufsstraße – die Queen Street – grenzt. Huiuiui! Da war ich aber froh, als ich wieder in den Bus zurück nach St. Heliers gestiegen bin…..

 

Von der Station Britomart im Auckland CBD immer am Wasser lang über den Tamaki Drive, über die Hobson Bay, durch Orakei, Mission Bay, Kohimarama nach …. Huch?! Wo fährt er denn hin, der Busfahrer (der mir gerade beim Einsteigen gesagt hat, dass heute sein erster Tag ist)?! Nicht nach St. Heilers. Soviel steht fest. Nach einigen Minuten habe ich es nach vorn zu ihm geschafft und frage ihn, wo er denn hinfährt und ob er nicht über St. Heliers fährt. Er sagt: „No, Ma’am, sorry. I forgot. Sorry, Ma’am. You gotta take the other bus back to St. Heliers.“ „Grrrreat. Thanks.“

 

Aha. Nun deeeer ist uns ja gerade entgegen gekommen… Ich – halbwegs genervt – raus aus dem Bus auf die andere Straßenseite (ERST rechts, DANN links gucken!), schauen wann der nächste Bus zurück kommt: 60 Minuten. Cool bananas. Not.

 

Ach whatever, denke ich und entscheide mich zurück Richtung Strand zu laufen. Das Wetter ist super, ich hab meine Wanderflipflops an und ich wollte ja sowieso ein bisschen mehr von der Hood sehen. Ohne Auto kommt man ja dazu nicht. Also wild drauflosgestiefelt, GoogleMaps zeigt mir den Weg. Puh, Hügel nicht bedacht. Egal, weiter geht’s.

 

Nach ca. 10 Minuten gesellt sich ein pechrabenschwarzer ziemlich großer Kampfhundmischling mit weißen Pfoten zu mir. „Hi!“ sage ich etwas erstaunt und doch recht vorsichtig. Er scheint jung und etwas wild, trägt aber Halsband und Marke. Hastig rennt er ein Stück vor, um dann wieder zurück zu kommen und weiter neben mir zu laufen. Er schaut mich immer wieder an, biegt plötzlich im rechten Winkel ab und läuft auf die Straße. Er kennt sich aus. Man merkt, dass er im Blick hat, ob ein Auto kommt oder nicht. Er kommt hastig zu mir zurück und ich schaue mich um, ob ich seinen Besitzer erspähen kann. Niemand da. Immer wieder rennt er vor, lässt sich zurückfallen und streift beim nach vorne laufen mein Bein. Schon auch ein bisschen gruselig. Ich bin mit Hunden (und fast genau so einem wie diesem) aufgewachsen. Ich mag Hunde, hab aber eben auch genug Respekt vor unbekannten Vierbeinern.

 

Auf der anderen Straßenseite spielt ein Kind mit seinem Laufrad. Der kleine Junge ist etwa vier Jahre alt. Er sieht den Hund, bekommt riesige Augen, springt vom Laufrad, schleppt es zu der Einfahrt seines Hauses. Dabei lässt er den Hund nicht aus den Augen. Er sieht verängstigt aus. Dann fängt er an nach seiner Mutter zu rufen und rennt ins Haus. Mein Gott, was ist mit diesem Hund?! Terrorisiert er die Nachbarschaft? Kommt er gleich zurück und beißt mich? Er kommt zurück. Ich spreche ihn freundlich an und versuche so unbeteiligt wie möglich zu wirken. Er ist cool mit mir. Wir sind Kumpels. Ich biege in die nächste Straße rechts ein und er kommt nicht weiter mit. Vielleicht hatte es einen Grund, dass er für genau diesen Abschnitt/diese Zeitspanne bei mir war.

 

Was für eine Begegnung. 20 Minuten später bin ich zu hause. Ich springe direkt in meinen Bikini und laufe weiter zum St. Heliers Beach. Erstmal abkühlen.

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