Lechts und rinks.

„Lechts und rinks kann man nicht velwechsern.“

Diesen schlauen Spruch kenne ich seit meinen jüngsten Kindheitstagen, weil meine Mama ihn des öfteren zitiert hat. Ich kann mich nicht erinnern, von wem er stammt, denke aber, dass er von Ernst Jandl ist. Nach kurzem Googeln folgendes Ergebnis:

Lichtung

Manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern.
Werch ein Illtum.

(Ernst Jandl)

Das stelle ich hier ebenfalls mehrfach am Tag fest. Es gibt Automatismen, die so tief in unseren Köpfen verankert und in unser Leben integriert sind, über die man nicht nachdenkt, bis sie zwangsweise hinterfragt und widerlegt werden.

Ein halbwegs gefährliches Beispiel, über das man hier täglich stolpert: Eine Straße überqueren. Man läuft selbstbewusst nach links guckend los wie ein mündiger Erwachsener, ist schon halb auf der Straße bevor man nach rechts schaut, damit man auch ja nicht von einem Auto überfahren wird! Seit man laufen kann oder spätestens seit Kindergartenzeiten kriegt man diesen Move deutlichst und immer und immer wieder eingebläut.

Tja. Und dann zieht man in ein Land, in dem Linksverkehr herrscht. Rennt man linksschauend auf die Straße, hat man Glück, wenn das von rechts kommende Auto noch bremsen kann. Augen auf im Straßenverkehr!

Solche Richtungsänderungen und natürlich auch das Fahren auf der anderen Straßenseite verlangen meinem Gehirn Höchstleistungen ab. Das passiert in drei Phasen, die sich wiederholen:

  1. An die neue Situation gewöhnen, wachsam sein und immer dran denken, alles ist andersrum! Rechts abbiegen ist zum Beispiel hier die größere Aufgabe. Nicht wie bei uns in der Fahrschule, wo überwiegend das links abbiegen mit größter Vorsicht geübt wird.
  2. Total überzeugt sein, dass man es jetzt verstanden hat, phasenweise sogar gar nicht mehr drüber nachdenken müssen. Yeah! Voll normal erst nach rechts zu gucken, wenn man über die Straße läuft…
  3. VÖLLIGE Verwirrung! Man erkennt zugezogene und Touristen (und auch mich phasenweise) oft daran, dass sie wild zu beiden Seiten guckend zögernd am Straßenrand stehen, weil sie nicht mehr wissen, wie es denn jetzt tatsächlich funktioniert. Willkommen in meinem Leben. Leute könnten denken, ich bin die griesgrämige Deutsche, die den ganzen Tag kopfschüttelnd die Welt und ihre Schlechtigkeit im Generellen verneint.

Werch ein Illtum.

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Eine Antwort auf „Lechts und rinks.

  1. Noch eine lustige Seitenverwechselungssache: Ins Auto einsteigen.

    Ich kenne alle Neuseeländischen Autos, mit denen ich bis jetzt – egal ob als Fahrer oder Beifahrer – gefahren bin, von allen Seiten. Man steht IMMER erstmal vor der falschen Tür. IMMER.

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