HAPPY HOT CHRISTMAS, HAPPY NEW YEAR AND HAPPY ANNIVERSARY.

Dank einer Zeitverschiebung von genau 12 Stunden und dem traditionellen Unterschied, dass Weihnachten in Deutschland am 24. abends und in Neuseeland am 25. morgens gefeiert wird, ist es genau zeitgleich! Fantastisch, oder? So war die Kommunikation und gratulation und merry-xmas-wuenscherei sozusagen simultan.

Unser erstes Weihnachten in unserem neuen Haus in Neuseeland war so ganz anders als man es kennt. Fuer mich persönlich war es nicht das erste warme Weihnachten – fuer Ben schon! Ich habe bereits drei Weihnachten auf der Südhalbkugel verbracht – zwei davon in Neuseeland, eins in Thailand (ganz andere Nummer!).

Ben hat es sichtlich genossen in Haiwaiihemd und Weihnachtsmannmütze die Gäste zu bespassen. Meine Weihnachtskranz-Ohrringe mit Glöckchen sind aber auch nicht zu verachten. Alles in allem waren wir also gut vorbereitet und haben die Tage sehr genossen.

Da es ja nun nicht nur wir beide sind, die hier in unserem Haus wohnen, sondern natürlich auch unsere lieben Gäste hier sind, war Weihnachten auch ein wenig Arbeit, was sich aber nicht wirklich danach anfühlt. Trotzdem hat man natuerlich eine Verantwortung gegenüber den Gästen, die natürlich einen schönen Tag haben wollen. So haben wir fuer alle in dem Fall acht Gäste ein Christmas dinner organisiert, das zusammen mit uns und einem Nachbarn der sonst allein gewesen wäre fröhlich verspeist wurde. Danach gab’s einen langen gemütlichen Spaziergang im Sonnenuntergang am Strand und danach sind alle satt und zufrieden ins Bett gekrabbelt.

Weihnachten im Sommer ist gar nicht so ein Riesenthema wie alle immer denken. Es ist einfach irgendwie anders und ich persönlich mag es sehr gerne. Das einzige, was ich nicht so richtig hinkriege in meinem Kopf ist, dass Weihnachten eben auch immer Jahresende und Abschluss bedeutet. Ich habe mich immer sehr ueber die gemütliche Zeit gefreut, in der man zur Ruhe kommt, sich besinnt, alles nochmal revue passieren lässt und dann an Silvester in ein neues Jahr startet. Dadurch dass jetzt Sommer ist und unser business brummt (wir sind ja mitten in der Hauptsaison), ist hier von Jahresabschluss nicht im entferntesten die Rede. Selbst das Steuerjahr wechselt in Neuseeland am 31.3., was jetzt fuer mich Sinn macht. Vorher konnte ich mir keinen richtigen Reim darauf machen.

Ich frage mich selbst, ob ich Weihnachten in Europa vermisse und muss ehrlich sagen, dass ich natürlich an Freunde und Familie in dieser Zeit verstärkt denke. Durch die Tatsache, dass wir hier aber so busy sind und es eben KEIN gefühlter Jahresabschluss ist und man nicht zur Ruhe kommt, sondern ganz im Gegenteil gerade richtig Fahrt aufnimmt, kommt diese Vermissungsstimmung auch nicht wirklich auf. Ganz im Gegenteil bin ich eigentlich ganz froh dieses vierkommerzialisierte Fest hinter mir gelassen zu haben. Ich mag Weihnachten sehr, aber ich mag diesen Geschenkehype nicht. Ben un dich haben uns gar nichts geschenkt. Wir haben aufeinander, auf unsere neue selbstgeschaffene Situation, unsere Beziehung und unser rLeben im allgemeinen angeschossen. Das ist doch so viel schöner, als heruntergebrachten Geld auszutauschen. Wir haben uns SOOOO VIEL geschenkt in diesem letzten Jahr, dass wir gar nichts weiter brauchen ausser uns.

Mein persönliches Highlight war, dass wir meinen allerersten selbstgemachten Hartkäse angeschnitten haben und er sogar auch noch geschmeckt hat!!! Whohooo! Man gönnt sich ja sonst nichts. Hier ein Foto: IMG_2047.jpg

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr alle ein schönes Weihnachtsfest mit euren Lieben hattet und nicht in Stress ausgebrochen seid. 😉

Happy hot Christmas!

Der Jahreswechsel ist mehr oder weniger an uns vorbeigegangen. Wären wir nicht mit ganz wunderbaren lieben Gästen in die Bar um die Ecke gegangen und hätten uns gezwungen bis Mitternacht wach zu bleiben, dann hätte ich definitiv schon um 21:00 Uhr geschlafen. Wie ich es am liebsten jeden Tag tun würde! 😀

Viel wichtiger als der Jahreswechsel ist aber der heutige Tag! Vor genau EINEM JAHR bin ich aus dem Flieger gestiegen und habe Neuseeland mit einem Permanent Residence Visa betreten. Was für ein denkwürdiger Tag…. happy Anniversary to myself!

Ein Jahr. Ein Jahr bereits. Ein GANZES Jahr! Und ich weiss gar nicht genau was ich sagen soll. Das letzte Jahr (und auch die aufregende Zeit davor) lassen mich sprachlos. Überwältigt von all den Eindrücken, Veränderungen, Zugewinnen, Abstrichen und Visionen. Visionen, die in die Realität umgesetzt wurden. Bereits in Berlin fantasierte ich davon, mal eine kleine Pension aufzumachen. Erst war die Idee das in einer Wohnung in Berlin zu machen, dann dachten ben und ich gemeinsam darüber nach, ein weiteres Hausboot zu kaufen, dies auszubauen und zu vermieten und nun zu guter Letzt haben wir ein wunderbares Haus am anderen Ende der Welt, 300m vom Nationalpark entfernt kaufen dürfen, das all unsere kühnsten Vorstellungen bei weitem übertrifft und uns andächtig, sprachlos und demütig dankbar sein laesst. Dankbar, dass wir hier sind und dass wir diese wundervolle Chance bekommen haben. Das Leben in Neuseeland ist all das und noch so vieles mehr von dem, was wir uns vorgestellt haben.

Nicht nur das Haus, unser neues Zuhause und unser business (wer es noch nicht gesehen hat: http://www.serenitylodgenz.com) sind ganz wundervoll, ebenso die Menschen, die uns hier in ihre Arme geschlossen, uns einen Platz zum Wohnen und viel viel Wissen geboten haben. Nicht zu vergessen das Wetter mit seinen Kapriolen und aber auch seinen vorrangig lauschigen Sommernächten, warmen Windböen und zirpenden Zikaden im Dauermonoton. Der Dschungel, der Fußläufig zu unserem haus beginnt. Das türkisblaue Meer, das einem das Gefühl gibt in Südostasien zu sein…. Wir sind glücklich. Sehr sehr glücklich. Und wir freuen uns unser Glück mit unseren vielen wundervollen Gästen teilen zu koennen. Ebenso heissen wir immer gern Freunde und Familie willkommen und führen sie in unsere kleine Serenity-Welt ein. Wagt den Schritt hierher zu uns und bleibt ein bisschen. Aber Vorsicht! Ansteckungsgefahr!

California King.

Eine Lodge zu betreiben heisst zum einen, dass man (wie eine Nachbarin so schön gesagt hat) als „glorified cleaner“ sein Geld verdient. Wer mich kennt, weiss, dass putzen nicht so meine Lieblingsbeschäftigung ist und wird sich wahrscheinlich mit der flachen Hand vor den Kopf schlagen, ungläubig dass nun gerade ICH mir so einen Job ausgesucht habe. Was soll ich sagen. Putzen für Geld ist gar nicht so schlimm! Und in unserem komplett neuen Haus gibt es keinerlei schwierige Ecken oder Oberflächen. Alles schön im rechten Winkel angelegt und vor allem sehr sehr pflegeleicht. Da schaff selbst ich das putzen sogar noch mit einem Lächeln im Gesicht. Mucke an und los geht’s!

Zum anderen bedeutet Lodgebusiness sehr SEHR viele Betten zu beziehen. Um dies tun zu können, sind Ben und ich vor einiger Zeit losgezogen, um Betten, Matratzen und die entsprechende Bettwäsche zu kaufen. Man braucht Laken, Bettbezüge, Kopfkissenbezüge und sowieso auch noch die Kopfkissen und Decken selbst. Kein Ding denkt man da. IKEA wird’s schon richten! Pustekuchen. IKEA gibt’s nicht. Und da fängt der ganze Schlamassel an:

Nach kurzer Recherche findet man natürlich etliche anderer Läden, die alles anbieten, was man rund um das Bett und seine Ausstattung benötigt. Unser Laden des Vertrauens nennt sich „bed, bath & beyond“ und hält was er verspricht. Style und Auswahl sind zufriedenstellend und auch die Preise sind zumindest halbwegs OK. Zumindest wenn man die Preise anderer Geschäfte vergleicht. Da kostet ein Set Bettwäsche aus Ägyptischer Baumwolle (it’s a thing!) gut und gerne mal 300-400$!!!

Nun gut. Wir machen uns also eine kleine Liste und überlegen uns, was wir gern hätten. Baumwolle soll es sein. Kein Polyester. Weiss soll es sein. Keine albernen Muster. Und möglichst pflegeleicht soll es sein.

Wir stromern also durch den besagten Laden und treffen dort Heather, die netteste Verkäuferin der ganzen weiten Welt. Sie ist ganz entzückend und hört sich geduldig all unsere Wünsche und Vorstellungen an. Dann zieht sie die Augenbrauen hoch und sagt mit einem etwas verzweifelten Grinsen: Das haben wir so nicht. Hm. Huch? Ihr habt keine Bettwäsche?! Doch doch, Bettwäsche gibt’s schon, aber…. anders……

Folgend ein kleiner Abriss, was Heather damit sagen wollte. Betten machen in Neuseeland ist nämlich eine Wissenschaft für sich.

Wir kennen:

  • Bettlaken (meistens schön stretch-spannbettlaken, damit alles gut straff sitzt)
  • Bettbezug für die Bettdecke (eine grosse für ein Pärchen, aber auch gern mal zwei einzelne in einem grossen Bett)
  • Kopfkissenbezug (meistens 80x80cm)
  • Wenn’s hochkommt, hat man noch ne Tagesdecke als Überwurf ueber dem Bett.

Bis hierhin könnt ihr mir folgen, oder?

So. Jetzt die Neuseeländische Variante. Anschnallen!

  • Bettlaken (fitted sheet genannt, wenn es ein Spannbettlaken ist, das aber nicht stretching ist, sondern einfach nur so ein Gummi in den Rand gezogen hat. Ein Bettlaken ohne Gummiband nennt sich flat sheet oder auch bottom sheet.)
  • Bettdecke. Gibt es, nennt sich Duvet und der Bezug dazu nennt sich Duvet cover. Bettdecken gibt es wie bei uns aus allen möglichen Materialien und verschiedenen Wärmegraden und Größen. Fein.
  • Kopfkissen. Das Standard-Kopfkissen in Neuseeland ist ca. 40x75cm gross. Also ca. halb so gross wie die in Deutschland. 80x80cm kennt hier kein Mensch. Dann gibt es aber noch andere Kopfkissen, die ggf. sogar das gleiche Mass haben wie die  Kopfkissen, auf denen man schläft, die aber mit anderen Bezügen bezogen werden. Diese kommen meistens zusammen mit dem Comforter (dazu weiter unten mehr) und haben das gleiche Design wie dieser. Diese beiden Kissen sind also nur zur Deko. Dazu gibt es dann noch passende Dekokissen, die etwas kleiner sind, aber auch dieses rechteckige Format haben. UND DANN NOCH kleine quadratische Zierkissen, die ganz vorne stehen. Ich fasse zusammen: Der Neuseeländer hat also gut und gerne mal 8 Kissen im Bett fein säuberlich aufgereiht. Davon fliegen 6 nachts raus und auf zweien wird geschlafen.
  • Kopfkissenbezug: Diese kommen meistens im Zweierset mit der restlichen Bettwäsche. Also entweder mit dem Duvet cover oder mit dem Sheet Set. Siehe nächster Punkt.
  • Sheet Set und Comforter. Sheet sets bestehen aus einem bottom sheet (entweder fitted oder flat), einem Top Sheet und zwei Kopfkissenbezügen. Das Top Sheet wird mit einer Wolldecke oder einem Comforter bedeckt, der warm hält, selbst aber nicht bezogen ist. Das ist eine Art Tagesdecke, die das finale Design der Bettgestaltung festlegt. Er kann sehr simpel und dünn sein, im Winter aber auch mal plustertig und gesteppt. Das Top Sheet ist größer als der Comforter und wird am Kopfende umgeschlagen, sodass eine saubere Kante entsteht. Gewaschen werden bei dieser Konstellation immer nur die Laken und Kopfkissen (der Comforter gelegentlich). Die Sheets ersetzen also die in Deutschland verwendeten Bettbezuege. Sheets werden aber traditionell UNTER die Matratze geschlagen. Das heisst, wenn man ins Bett geht, muss man entweder ganz slick am Kopfende reinschlüpfen und kann sich dann den Rest der Nacht nicht mehr bewegen oder man muss erstmal alles auseinander reissen, um überhaupt ins Bett gehen zu können. Ganz zu schweigen vom Verrutschen des top-sheet-comforter-Stapels, wenn man sich nachts mal bewegt……

So. Und um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es nicht wie bei uns Massangaben für Betten, Decken, Kissen, sondern Namen. Single, King Single, Double, Queen, King, California King. Aha. Hat einen Moment gedauert, bis wir wussten was was ist, aber unsere liebe Heather hat auch das seelenruhig erklärt. Immer und immer wieder. Sie hat sogar mit uns umgerechnet, mit welchen Bezügen wir die aus Deutschland mitgebrachten Betten beziehen können. Mann ey, wir waren locker drei Stunden in dem Laden. Heather verdient eine Gehaltserhöhung!

Die liebe Heather hat uns auch noch erklärt, dass man auf alles was man im Bett hat auch noch einen Schoner zieht. Also Kopfkissenschoner,  Matrazenschoner etc….  Die gibt es aus allen möglichen Materialien, wasserdicht, nicht wasserdicht…… die Liste geht endlos weiter.

Wir haben nur(!) drei Zimmer in unserer Lodge. Darüber war ich das erste mal bewusst richtig froh, nachdem wir unser Meeting mit Heather beendet hatten. Das Auto quoll über vor lauter Dingen, von denen wir bis dahin nicht wussten, dass wir sie brauchten. Wir haben zwei Zimmer mit Queen Betten und eins mit einem King Bett. Unser eigenes Bett is California King Size. Alles hat fitted sheets, duvet cover sets und comforter. Die Betten haben passende Heizdecken, da wir keinerlei Heizung in den Zimmern haben. Hinzu kommt, dass wir noch viskoelastische Topper fuer die Matratzen gekauft haben. Wer nicht weiss, was es ist, sollte es 1. googlen und 2. kaufen. Ein Traum!!!

Gerade haben wir uns für den Sommer ausgestattet. Zu den drei Doppelzimmern kommen noch zwei zuszätzliche Sleepouts. Ein Doppelzimmer und ein Zweibettzimmer. Also ein Queen und zwei single Betten. Alles wird „nur“ noch mit sheet sets und comfortern ausgestattet, da es ja warm genug sein wird. Wir haben mittlerweile bei bed bath & beyond einen wholesale account und bezahlen nur noch den Einkaufspreis für alles. Das lohnt sich besonders, weil wir für jedes Zimmer alle sets 3x gekauft haben, damit wir genug Zeit für einen Wäschedurchlauf haben, wenn die Gäste wechseln. Danke Heather.

So. Und wer mir jetzt auflisten kann, was wir alles für 3 Queen Betten, 2 Single Betten und ein King Bett alles kaufen mussten, der kriegt ein persönliches Geschenk von mir von dem ich mir noch überlegen muss, was es ist. Vielleicht ein echt Neuseeländisches sheet set. Mit Initialen drauf. 😉

Aus gegebenem Anlass.

Mein Herz ist gebrochen.

In den letzten Monaten ist VIEL passiert. Mein Leben hat hausgemachterweise dramatische (im positiven Sinne) Wendungen genommen. Hochzeit, Bootsverkauf, Auswanderung… ihr kennt die Story.

Es gab aber ebenso auch drei Gelegenheiten, bei denen ich morgens aufgewacht bin und beim ersten Blick auf Nachrichten dachte, mir dreht sich der Magen um und ich MUSS noch träumen!

Brexit. Trump. AfD.

Unfassbarkeit macht sich in meinem Kopf breit und der erst Schreck wird zu Trauer und paart sich dann mit Angst. Angst um unser aller Zukunft.

Nun könnte ich sagen: Ach, ich bin ja weit weg, was kümmert‘s mich? Nur haben wir hier aber auch gerade gewählt (für Neuseeland!) und leider ist ein erheblicher Ruck durch‘s Land gegangen und die National Party liegt vorn. Deutlich.

Was soll man sagen? Das Gefühl sagt: Wir sind am Arsch, Leute! Der Kopf sagt: Das kann doch verdammt nochmal gar nicht sein, dass so viele braune Arschgeigen (die es sicherlich immer gab) plötzlich aus ihren Löchern kriechen – bestärkt von offiziellen braunen Frontfiguren- und ihr Recht als Bürger nutzen um zu wählen für eine Partei, die sich Alternative nennt! Es kann doch verdammt nochmal nicht sein?!?! Doch dann ist klar, dass die Verblendung von Menschen grenzenlos sein kann. Wir haben es erlebt. „Vergas den Juden!“ „Ok, mach ich.“ Höäh?!

Mein liebes Deutschland, meine Heimat, Zuhause meiner Freunde und Familie,

Jetzt mehr als je zuvor fühle ich mich fremd. Entfremdet von dir und deinen Einwohnern. Mein Bild ist verrutscht. Das Bild von den Menschen, die mich umgeben, die aufgeweckte, intelligente, soziale und friedvolle Menschen sind. Diese Menschen haben mein Bild geprägt und verschaffen mir den Eindruck, als wäre eben ein solcher Rechtsruck gar nicht möglich! Doch das scheint ein großer schlimmer Irrtum zu sein. Offensichtlich. Es gibt sie, die braunen Massen. Und sie haben einen Kanal bekommen.

Dann wiederum fühle ich mich verletzt. Meine Heimat hat einen schweren Hieb in die linke Flanke erlitten und krümmt sich nun unter Schock und Schmerz. Ich fühle mich hilflos. Wenn ich doch nur etwas tun könnte?!

Bitte bitte bitte, an meine Freunde, meine Familie und alle, die noch geradeaus denken können:

Bleibt stark, widersetzt euch dem was jetzt passiert. Akzeptiert diese Rechte Meinung nicht und verzweifelt nicht.

Die Hoffnung, die auch beim Brexit und bei Trump aufflammte, dass man nach ein paar Jahren des Austestens erkennt, dass das ne blöde Entscheidung war, sich besinnt und in der nächsten Wahl genau das Gegenteil passiert, bleibt. Doch dazu braucht es deutlich hörbaren Widerstand und Durchhaltevermögen.

Ich verfolge mit Schrecken die Entwicklungen und wünsche allen alles Gute. Wenn’s nicht mehr zum Aushalten ist, kommt ihr alle her. Hier ist zwar auch nicht alles eitel Sonnenschein, aber dafür ist hier viel Platz. So. :*

Serenity.

Wie in meinem letzten (zugegebenermassen lang zurückliegenden) Post angekündigt, gibt es um den Begriff Serenity eine recht spannende Story zu erzählen. Zum Kontext: Ben und ich haben nun unser Haus in eine wie ich finde sehr exklusive Lodge verwandelt, in der wir 3 wunderschöne Gästezimmer anbieten. Alles mit einem liebevoll hausgemachten Frühstück jeden morgen und natürlich fußläufig zu unserem wundervollen Nationalpark. Wer mal einen Blick riskieren möchte, oder vielleicht sogar vorbei kommen will, hier unsere website:

http://www.serenitylodgenz.com

Wie kam es zu all dem? Ich will es euch erzählen:

Ben und ich haben immer schon viel Freude daran gehabt, Gäste zu haben und diese zu bewirtschaften, zu bespassen und zu betueddeln. Wer uns mal in Berlin auf dem Hausboot besucht hat, der kennt unsere Dinnerabende, die selbstgebackenen Kuchen und/oder das ausgiebige Frühstück. Selbst ohne Gäste haben wir beide es uns immer nett gemacht und nicht nur baulich an Dingen am Boot rumgebastelt, sondern auch in der Küche die ein oder andere Leckrigkeit zusammengebraut. Wir kochen beide unheimlich gerne und ich wuerde behaupten, dass wir beide gleichermassen gut darin sind.

Bevor wir uns kennenlernten, hat Ben bereits regelmäßig grosse Dinnerparties geschmissen, bei denen er zehn oder mehr Gäste mit fünf herrlichen Gängen bekocht hat. Dazu der passende Aperitif, der passende Wein, die passende Musik und Kerzenlicht für die passende Stimmung. Von der Gestaltung des gedeckten Tisches bis hin zu den Geschichten, die am Abend erzählt wurden, war damals und auch aktuell alles ein wohlfunktionierendes Konzept, das nicht grossartig durchdacht und geplant werden musste, sondern wie natürlich seinen Weg gefunden hat und weiterhin findet.

Ich habe das Kochen von Kindesbeinen an im Elternhaus miterlebt und fand es immer spannend wie durch Garzeiten, Zutaten und Schnittweisen ein leckeres Gericht entstehen kann. Meine Eltern können beide wunderbar kochen und haben nicht nur ein gutes Gespuehr für Zutaten und Gewürze, sondern hatten Dank unseres riesigen Gemüsegartens, den meine Mutter unermüdlich gehegt und gepflegt hat, auch die wunderbarsten Zutaten. Alles frisch und gesund und ungespritzt. Das Backen kam bei mir erst später dazu. Nach mehreren erfolglosen Versuchen einen Kuchen zu backen, habe ich dieses Handwerk nicht weiter verfolgt und bin erst vor ein paar Jahren darauf gekommen, dass auch das Spass machen kann.

Nun. Ben und ich zusammen haben das Ganze zu einer Art Hobby weiterentwickelt und haben die Wochenenden lieber mit Kochen und Backen als mit Parties und Feiern verbracht. Wir beide bekamen oft zu hören, dass wir das doch beruflich machen sollten. Doch ein Restaurant zu eröffnen schien uns beiden völlig übertrieben und hätte den Spass daran wahrscheinlich in nullkommanichts ruiniert. Vor allem in Berlin.

Ich hatte seit ein paar Jahren bereits die Idee eine winzige Art Pension zu eröffnen und erkundigte mich ueber Bestimmungen, Steuergesetze und Moeglichkeiten, doch in Berlin schien mir das Ganze zu umständlich und nicht wirklich das was ich wollte. Da ich ja aber auch einen anderen Job hatte, der zum Teil sehr fordernd sein konnte, wurde diese Idee nicht weiter verfolgt.

Doch jetzt hatten wir die Gelegenheit, unsere Träume umzusetzen und genau das zu machen, was wir wollten: Ein kleines Gästehaus, das so überschaubar ist, dass man es zu zweit easy managen kann und aber zeitgleich so viel abwirft, dass wir beide davon leben und vor allem den Kredit, den wir dafür aufgenommen haben, abzubezahlen. Dank meines betriebswirtschaftlichen Hintergrunds und meiner Erfahrung als Projektmanager konnte ich relativ easy alle Zahlen zusammentragen und eine Kalkulation dessen was auf uns zukommen würde erstellen. Mit den schlechtesten anzunehmenden Zahlen sah alles trotzdem noch so gut aus, dass es – wie man hier sagt – ein „no-brainer“ war. Hinzu kommt die Gewissheit meinen Lieblings-Profi-Handwerker an meiner Seite zu haben, was uns bei allem nicht nur hilft, sondern am Ende viel Geld spart, weil wir eben so gut wie alles selbst machen können. Wir nahmen also einen Kredit auf und kauften das Haus.

Als wir die Immobilienanzeige für das Haus sahen, hatte diese die Ueberschrift: „Wake up to the sounds of serenity.“ Was soviel heisst wie „Wache zu dem Geräusch der Gelassenheit auf.“ Das klang doch wirklich sehr attraktiv. Der Begriff Gelassenheit hat in meinem Leben eine sehr besondere Bedeutung eingenommen, nachdem ich im Jahr 2009 einen kompletten burn-out erlitt. Der anstrengende Job, riesiger Stress, verdrängte Altlasten die sich in dem Vordergrund spielten und ein noch größerer Perfektionismus zwangen mich für mehrere Wochen und Monate in die Knie und sorgten dafür, dass ich nur mithilfe von Gesprächstherapie und viel Geduld und Verständnis meiner Freunde, Familie und meines Arbeitgebers wieder in der Lage war da heraus zu kommen. GELASSENHEIT war damals mein Größtes Ziel. Wenn man eine solche Phase durchlebt, die durch Panik, Depression und Angst geprägt ist, scheint Gelassenheit ein unerreichbares Ziel weit in der Ferne – ja fast wie in einem Science Fiction Roman. Etwas was es in schönen Schnulzfilmen gibt, aber in Echt kann das ja gar nicht sein….. Pfff. Gelassenheit. Genau…..

Ich tendiere dazu mir Dinge, die ich mag bzw. mir wünsche oder nicht vergessen möchte, auf meinen Körper zu tätowieren. So hielt ich Ausschau nach Bildern order Schriftzügen, die das Wort „SERENITY“ beinhalten bzw. verkörpern. Am ende gefiel mir nichts, da es leider ein recht abgedroschenes Motiv ist. Also kam es am Ende nicht zu dem Tattoo. Trotz allem hat mich dieser Gedanke lange begleitet. Irgendwann ging es mir dank konzentrierter Arbeit an mir selbst und konsequentem mich-in-den-Mittelpunkt-meines-Denkens-und-Handelns-stellen viel besser und der Wunsch nach Serenity verblasste. Das leben geht weiter, die Welt dreht sich weiter. Einfach so.

Als wir nun das Haus kauften, hatten wir direkt tausende Ideen, wie wir denn unseren Garten gestalten wollen. Da die vorhandenen Büsche und Bäume leider von einem merkwürdigen Pilz befallen waren, musste alles rigoros gerodet und zurückgeschnitten werden. Schade drum, aber eben auch die Chance eine blanke Leinwand vor sich zu haben, die man neu bemalt. Wir wollen schon immer ganz viel Lavendel und Rosmarin pflanzen, die hier wie verrückt wachsen, super riechen, Bienen anlocken und zudem beide zarte lilafarbene Blüten haben. Nicht dass wir jetzt die Riesen Lila-Fans wären, aber der Gedanke gefiel uns. Aus den beiden ersten Pflanzen wurde bald der Gedanke, dass wir alles im Garten in verschiedenen Lila-Toenen halten.

Als wir noch beschäftigt waren, alle Papiere für die Anwälte und den finalen Kauf auszufüllen und abzuschicken (Yeah. Formulare ausfüllen. Nicht.), haben wir uns abends einen Film angeschaut. „Beginners“ mit Ewan McGregor (https://www.youtube.com/watch?v=rXUFUp6vsxg). Der Film ist schön und hat uns gut gefallen, was wir aber tatsächlich am beeindruckendsten fanden, war die Szene in der die Regenbogenfahne der LGBTQ-Szene erklärt wird. Hier steht jede Farbe für einen Begriff. Und jetzt ratet mal, für was Lila steht. Richtig. Serenity. Bingo.

Alles schien als ob das Haus nur auf uns gewartet hat! Naja, ihr kennt das wahrscheinlich: Wenn man sich in einer Phase speziell auf etwas konzentriert, dann scheint es plötzlich mysteriösersweise überall zugegen zu sein. Egal ob es nun ein höheres Zeichen, ein Wink des Schicksals oder einfach nur Zufall war: Wir waren und sind immer noch Feuer und Flamme über unser Haus und erwischen uns täglich schmunzelnd unser neues Heim betrachtend. Alles richtig gemacht.

Das Tattoo hat es nicht auf meinen Körper geschafft. Muss es auch nicht mehr. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wir wachen jeden Tag zu den Sounds of Serenity auf. Was will man mehr? 🙂

Angekommen.

Jahaaa! Es gibt wieder Neues zu berichten! Nachdem wir jetzt bereits seit ca. 2 Wochen in unserem neuen Heim leben (OH YEAH!), hab ich endlich Zeit und Musse, mich hinzusetzen und zu schreiben. Da ich gerade allein zu Haus bin, weil Ben bei der freiwilligen Feuerwehr ist (dazu später mehr!), habe ich es mir auf unseren wenigen Möbeln vor unserem grossen Ofen in unserem noch grösseren Wohnzimmer gemütlich gemacht. Mit Wolldecke auf dem Schoss und einem Weisswein vom Weingut nebenan am Rechner zu sitzen hat etwas Romantisches und aber auch unglaublich Reales. Endlich.

Unser Leben hier hat nun ENDLICH begonnen. Wer miterlebt hat, wie sehr wir auf diesen Moment hingefiebert haben, wird erleichtert ausatmen und unser Gefühl nachvollziehen können. Wir haben nun seit über einem Jahr – um genau zu sein 15 Monate – dafür gekämpft, dass dieser Traum wahr wird. Doch eigentlich ging es bereits noch früher los:

Der erste Gedanke an Auswanderung in Verbindung mit Neuseeland entstand bei Ben und mir gegen Weihnachten 2015. Das ist jetzt 1,5 Jahre her…. Damals beschlossen wir, dass wir uns dieses Land mal gemeinsam anschauen sollten, nachdem ich bereits 2x hier war (zu Besuch bei Freunden und natürlich zum Rumreisen) und Ben die ganze Zeit damit vollgequatscht habe, dass er es unbedingt mal sehen müsse und er es lieben würde. Letzteres konnte natürlich keiner wissen, um so wichtiger, dass wir mal zusammen dorthin reisten.

Da wir beide seit Beginn unserer Beziehung sehr viel vom Auswandern gesprochen haben, war ab dem ersten Moment an klar, dass wir uns Neuseeland speziell im Bezug auf ein dortiges Leben anschauen würden. Wir begannen also damit uns aus Deutschland bereits Immobilien und Gegenden anzuschauen, in denen wir  uns ein Leben vorstellen könnten. Ben wusste wie gesagt nichts über das Land am Ende der Welt, so fiel unser Fokus auf meine Lieblingsgegend: Die Nelson/Tasman Region. Hier hatte es mir bei meinen ersten Besuchen immer besonders gut gefallen und es zog mich immer wieder magisch dorthin zurück.

Wir schauten uns also alles mögliche im Internet an und buchten gleichzeitig Flüge für den Februar. Gesagt getan, sassen wir im Februar im Flieger nach Neuseeland. In Nelson angekommen, bezogen wir im Haus einer Freundin Quartier, die zu der Zeit in Australien arbeitete. So passten wir auf ihre Katze auf und hatten dafür ein gratis Dach über dem Kopf. Win-win. Von dort aus schauten wir uns jeden Tag neue Strassen, Gegenden und Orte an. Soweit uns das Auto und das Tageslicht führte. Nach einem kurzen aber heftigen Krankheitsanfall (Ben hatte sich im Flieger irgendeinen gemeinen Virus eingeheimst, der sich mit starkem Fieber bemerkbar machte und erst im Krankenhaus bekämpft werden konnte) schauten wir uns die ersten Immobilien an. Es gab vor allem eine Lodge, die wir gern übernommen hätten, da kam uns aber ein anderes Deutsches Pärchen zuvor da dies bereits inklusive Visum in Auckland lebte und schlichtweg schneller war als wir.

Nicht nur aufgrund der Visumssituation (bis zu dem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung was da auf uns zukommen würde), sondern auch wegen der Finanzen, mussten wir also ein bisschen geduldig sein. Wir mussten erstmal unser Hausboot in Berlin verkaufen, was nochmal eine ganz eigene Aufgabe werden sollte….. Dazu bei gegebener Zeit mal ein ganz eigener Post. Oder ein Buch.

Anyways…. Wir haben eine wunderbare Zeit in Neuseeland verbracht und waren uns ziemlich schnell sicher, dass dies unsere neue Heimat werden soll. Wir trafen uns mit einem Immigration Advisor (http://www.peterhahn.co.nz/Auswandern-nach-Neuseeland-Home.7.0.html – sehr zu empfehlen!!!), der uns als allererstes sagte, dass man so einen Auswanderungsprozess nur antreten sollte, wenn man es wirklich WIRKLICH will. Und das wollten wir.

Am Valentinstag unternahmen wir wieder eine unserer Touren durch die Gegend und fuhren Richtung Marahau – dem letzten Ort vor dem Abel Tasman National Park. Ben war immer noch ganz schön angeschlagen, hatte kaum gefrühstückt und redete nicht viel auf der Fahrt. Das war relativ ungewöhnlich für ihn, da er sonst wenigstens mit einem „Boah, ist das schön hier…“ ab und zu aus seiner Stille brach. Nun ja, dachte ich und fuhr weiter Richtung Norden, bis wir an einem kleinen Cafe im nirgendwo ankamen. Hier kehrten Wanderer ein, die sich entweder vor oder nach ihrem Hike stärken wollten. Da Hauptsaison war, war es relativ busy und es war ein ständiges Kommen und Gehen. Wir verzogen uns irgendwann hinter das Cafe auf ein kleines Stückchen grüne Wiese und legten uns ins Gras. Ben war immer noch schweigsam und etwas blass um die Nase. Ich hatte aufgehört ihn zu fragen, ob er OK sei, denn das war er offensichtlich nicht so ganz und die ständige Fragerei machte es auch nicht besser. Zudem war einen Tag vorher der Deal mit der Lodge zerbröselt, sodass wir ein bisschen vor dem Nichts standen. So sassen wir da. Im Gras. Mit der beeindruckenden Weite des Nationalparks vor uns, Sonne, Wärme und das Quaken und Zwitschern von allen möglichen Tieren um uns herum.

Wir unterhielten uns über die Lodge und ich versuchte positiv zu sein und sagte, dass es solche Gelegenheiten hier bestimmt immer wieder gibt. Das sei doch sicherlich nicht die letzte Lodge, die hier jemals auf den Markt komme etc….. Ben brummte zustimmend und drehte sich zu mir:

„Egal was kommt, du liebst mich, oder?“

„Häh?! Ja klar lieb ich dich!“

„Gut. Willst du mich heiraten?“

PADAZONGPADAUZKNALLPENGDONNERWETTER! 🙂 Der Rest ist Geschichte*.

Wir kamen mit grossen Plänen und vielen Neuigkeiten nach Deutschland zurück. Es gäbe viel zu tun auf unserer Mission, allerdings mussten erstmal Freunde und Familie von unseren wilden Plänen in Kenntnis gesetzt werden. Das war der härteste Schritt und sollte sich als sehr grenzwertige und ambivalente Erfahrung  herausstellen. Um es kurz zu fassen: Die meisten freuten sich für uns und gratulierten uns zu unserem Abenteuergeist, ein anderer Grossteil war natürlich traurig und bedauerte, dass wir diesen Entschluss gefasst hatten, ein paar Wenige reagierten leider mit völligem Unverständnis und waren damit beschäftigt, unsere Entscheidung zu ihrem Thema zu machen. So blieben tatsächlich ein paar Freundschaften auf der Strecke, was mich eine Zeit lang sehr mitgenommen hat, für mich nun aber klar ist, dass es richtig so war. Nicht jeder muss uns gratulieren. Nicht jeder muss unsere Entscheidung toll finden. Jeder darf seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Aber niemand darf unsere Geschichte zu seinem Ego-druchtränkten Enttäuschungsfeldzug machen, der überhaupt nichts mehr mit uns und unserer Entscheidung zu tun hat, sondern einzig und allein dazu dient, die sich für den Moment um uns drehende Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Nun ja. Das ist ebenfalls eine ganz eigene Geschichte und wahrscheinlich das nächste Buch in meiner Reihe. Wann soll ich die nur alle schreiben…..

Hiermit fing unser Auswanderungsmarathon jedoch erst an. Waren die kommenden Monate auch positiver gefüllt, waren sie zeitgleich aber auch sehr sehr anstrengend. Man muss es wirklich WIRKLICH wollen. Peter Hahn sollte Recht behalten. Wären Ben und ich nicht so ein Spitzenmäßiges Team, wäre es jedenfalls von Zeit zu Zeit mal schwierig geworden. Jedem von uns ist zwischendurch mal die Puste ausgegangen, aber es war immer noch der andere da, der einspringen und erledigen konnte. ERLEDIGEN. Das ist zusammengefasst das was wir die letzten 1,5 Jahre gemacht haben. Sachen erledigen. Scherzhaft nenne ich Ben ab und zu den ERLEDIGUNGS-MAN! Er hat bald Geburtstag, vielleicht nähe ich ihm ein Superhelden-Kostüm aus Spandex mit einem grossen „E“ auf der Brust. Ha!

ERLEDIGUNGS-MAN und ERLEDIGUNGS-WOMAN haben also die nächsten Wochen und Monate mit planen, erledigen, Infos zusammensammeln und Anträge ausfüllen, verschicken und ausfüllen und verschicken und ausfüllen und verschicken verbracht. Und das alles, um irgendwann ein neues Zuhause zu haben.

Fast forward: Jetzt sind wir hier. In unserem neuen ganz eigenen wunderschönen, grossen, hellen, ruhigen Zuhause. Wer hätte das gedacht… Jeden Tag erwischen wir uns dabei, wir wir grinsend vor uns hin starren und einfach glücklich sind. Glücklich angekommen zu sein. Glücklich ein so wunderbares Zuhause gefunden zu haben.

Ich merke, wie ich die letzte Woche bevor jetzt unser Container endlich ankommt, kaum noch aushalten kann. Wir haben bis jetzt nur die Möbel, von denen wir wussten, dass wir sie hier noch kaufen müssen und warten noch auf alles, was noch im Container unterwegs ist. Das heisst, das unser Haus noch relativ leer ist. Aber von Tag zu Tag kommt nun ein bisschen mehr Wohnlichkeit hinzu. Und sei es nur eine Kerze, ein Beistelltisch für das Bett oder ein Staubsauger. Unser Container ist bereits in Nelson (ca. 45 km von hier), wird aber erst am Donnerstag nächster Woche geliefert. Für den Freitag haben wir unsere allererste Buchung für die Serenity Lodge! (YAY! Mehr davon!) Da muss alles stehen. Das wird ein bisschen knappi, aber auch das schaffen wir jetzt noch. ERLEDIGUNGS-MAN und ERLEDIGUNGS-WOMAN haben schliesslich eine ganze Nacht Zeit die Möbel zusammenzusuchen und im gebuchten Zimmer zu positionieren, die Küche mit Geschirr und Besteck auszurüsten und so zu tun, als würden wir es so wollen, dass unsere Lodge sehr spartanisch eingerichtet ist. Das voraussichtliche unfassbare Chaos in der Garage sieht ja keiner. Haha! Wird schon….

So. Jetzt muckel ich mich mal wieder ein und glotze was schönes, bis der Mann wiederkommt und von seinen Heldentaten berichtet. Heute ist Wintersonnenwende in Neuseeland – das heisst wir hatten den kürzesten Tag des Jahres. Ab heute wird es also jeden tag wieder ein bisschen länger hell. Darauf freu ich mich.

Es gibt noch soooo viel mehr zu berichten…. Zum Beispiel wie verrückt und unglaublich die Geschichte ist, wie und warum und wieso wir dieses Haus hier gefunden haben und welche verrückten Zufälle (oder war es Vorbestimmung?) es um den Begriff SERENITY gibt. Oder warum Ben plötzlich bei der freiwilligen Feuerwehr ist. Bleibt dran!

 

*Für die, die es nicht wissen: Wir haben uns am 9.9.2016 in Berlin das Ja-Wort gegeben. 😉

So close you can almost taste it.

Mehr oder weniger 12 Stunden und wir könnten theoretisch bereits die Schlüssel zu unserem neuen Zuhause in den Händen halten! Daumen drücken, dass die Bank flott ist und das Geld schnell überweist.

Sobald die Anwälte das Geld dem Verkäufer vom Treuhandkonto überwiesen haben, bekommen wir einen Anruf und dürfen die Schlüssel bei der Maklerin abholen. Whohohooooooo!!!

Heute waren wir da – in unserem neuen Haus – und haben es ein (erst!) zweites Mal gesehen! Es ist so verrückt, dass man etwas für gefühlte 10 Minuten sieht, bevor man sich entscheidet, dass man die wahrscheinlich größte Summe seines Lebens dafür ausgibt. Nun ja. Wir sind noch viel verliebter als sowieso schon und können unser Glück kaum fassen. Wir haben bei dem heutigen Termin die Verkäufer kennengelernt (sehr sehr nettes Paar – sie Engländerin, er Schweizer – seit über 30 Jahren in Neuseeland). Sie haben uns alles erklärt und selbst die genauen Details haben nichts Erschreckendes aufgetan. Vielmehr haben sie uns in unserer Entscheidung dieses Haus zu kaufen, nochmal bestärkt.

Das Haus ist vollkommen off-grid – also ohne Anschluss an eine Kanalisation oder Frischwasserzufuhr. Das Regenwasser wird auf dem Dach und dem angrenzenden Hang gesammelt und in einen Frischwassertank neben dem Haus geleitet. Dieses Wasser wird mit einem UV-Filter (also ohne jegliche Chemikalien) gefiltert und als Leitungswasser ins Haus zurück gepumpt. Wir sollten also ein unfassbar sauberes und wohlschmeckendes Leitungswasser im Haus haben, dass obendrein auch noch gratis ist. Sollte das Wasser in unserem Tank (25.000L) im Sommer mal knapp werden, schaltet sich automatisch eine Zuleitung mit einem weiteren Wasserreservoire (im Hang verborgen) hinzu und füllt den Tank mit zusätzlichem Wasser.

Strom gibt es ganz normal über das Stromnetz. Es gibt eine Satellitenschüssel am Haus, die ein TV-Signal einfängt und auf unseren bald ankommenden Fernseher spielt. Das hätten wir selbst gar nicht installiert, die Vorbesitzer haben die Schüssel aber da gelassen, also kostet uns der Spass nichts. Ausserdem sind im Haus diverse Technik-Gimmicks verbaut. So findet man in der Decke des Wohnzimmers und sogar aussen auf der Terrasse eingebaute Lautsprecher, die über eine Art Schaltzentrale im Wandschrank angespielt werden können. Lauter so ein Schnickschnack.

Das Grundstück hat sich bei genauerem Hinsehen als größer als gedacht herausgestellt und auch die Fläche unter dem Haus, die mit weiteren Zimmern ausgestattet werden soll, ist bereits wunderbar vorbereitet, sodass der Bau bald starten könnte und nicht ganz so aufwendig wird wie befürchtet.

Insgesamt sind wir so hin und weg, dass wir jedes Mal vor Freude quietschen, wenn wir über das Haus reden. Wie soll das nur ab morgen werden, wenn wir so richtig und voll und ganz und ohne jemanden zu fragen einfach dort wohnen dürfen?!

Jetzt heisst es noch eine Nacht schlafen (wenn möglich) und dann morgen die Zeit bis zu dem heiss ersehnten Anruf überstehen. 21:41 Uhr. Na da kann man schonmal schlafen gehen! Dann geht die Zeit schneller um! Gute Nacht! 🙂

36 Stunden.

Ein Update. Ich müsste mal dringend ein Update schreiben! Es weiss ja gar keiner mehr, was hier los ist! Aber ich müsste mich IN RUHE hinsetzen und schreiben. In Ruhe. Lustig. Nun gut. Ich hab zwar so viele Hummeln im Hintern, dass ich nachts nicht mehr schlafen kann, aber ich versuche mal ein Update zusammenzubasteln:

  1. Wir haben das Haus gekauft!!!!! Jawohl! Die Facebookgemeinde hat es ja schon mitbekommen. Nach einiger Verhandelei, gefühlten 13.000 Unterschriften und dem Gerenne zwischen Makler, Verkäufer, Anwälten und Bank, haben wir es tatsächlich geschafft, dieses paradiesische Stückchen Erde für einen angemessenen Preis zu kaufen! YEAH! Fühlt sich fast gruselig erwachsen an, aber die Freude überwiegt deutlich!
  2. Wir sind bereits vor einer über eine Woche aus Auckland aufgebrochen und haben mit Sack und Pack die Reise gen Süden angetreten. Wir hatten so viele Termine mit oben genannten beteiligten Parteien, dass wir das besser vor Ort regeln konnten. Das hat sich am Ende als sehr vorteilhaft herausgestellt und genehmigt uns sogar einen zeitlichen Vorteil. dazu gleich mehr. Wir wohnen in meinem Lieblings-Hippiie-multikulti-Pipi-langstrumpf-Villa-Kunterbunt-Hostel in Nelson und zählen die Minuten.
  3. Der Uebergabetermin war ursprünglich für den 16.6. festgelegt. Das schien uns eine unerträglich lange Wartezeit, die wir aber auch irgendwie hingekriegt hätten. Nachdem wir aber nun hier vor Ort sind, haben wir mitbekommen, dass die Vorbesitzer bereits dieses Wochenende aus dem Haus ausziehen. Das ist für die gar nicht so ein Riesending, da es ja für die immer nur ein Ferienhaus war. Kurzerhand haben wir die Maklerin angehauen, ob sie nicht mal fragen kann, ob wir den Uebergabetermin nach vorn ziehen können. Gesagt – getan. 38 Anrufe und Unterschriften später haben wir alle dazugehörigen Papiere von allen Beteiligten ändern und unterschreiben lassen und dürfen – sobald die gesamte Summe auf dem Konto der Verkäufer verzeichnet ist – in unser neues Zuhause einziehen!!!! AAAAHHHHH!!!! Spannend!!!!

Jetzt gerade ist es 22:30 Uhr am Sonntag Abend. Das heisst, dass wir in genau 13,5 Stunden den Termin für die Nachbesichtigung haben (das ist hier üblich, um zu kontrollieren, ob auch alles wie vereinbart hinterlassen wurde). Bei dem Termin treffen wir erst die Maklerin, die uns nochmal alles zeigt und dann die Vorbesitzer, die uns alle Einzelheiten zum Haus zeigen und erklären (wie funktioniert die Heizung, wo ist die Sicherung für x, was muss ich machen wenn…).

Da am Montag – also morgen – Feiertag in Neuseeland ist (Queen’s Birthday), kann morgen das Geld noch nicht auf deren Konto sein und wir müssen bis Dienstag warten, um final den Schlüssel zu erhalten. Puh! Warten!!! Weil ich das ja so gut kann!!!!! Egal. Da muss ich durch.

Dienstag ist es dann also soweit: Sobald die Bank aus dem letzten Knick gekommen ist, dürfen wir unsere Schlüssel abholen. Wir haben die Zeit hier in Nelson genutzt, um alles zu kaufen, was uns noch fehlt und was nicht mit dem Container ankommt: Gästebetten, Matratzen, Kühlschrank, Gefrierschrank, Waschmaschine, Trockner, usw….. All das holen wir dann am Mittwoch mit einem gemieteten LKW in Nelson ab und fahren es dann zum Haus. Die erste Nacht verbringen wir also auf einer Luftmatratze auf unserem neuen Flauscheteppich. Mir alles egal. Hauptsache in den eigenen vier Wänden. 😉

Unsere Serenity Lodge (gerne liken und teilen!) wird schnell Gestalt annehmen. Der Container hat bereits Singapur verlassen, nachdem er dort vor kurzem umgeladen wurde und umschifft gerade Australien. In ca. 2 Wochen ist er hier und wird von fleissigen Helfern bis in die jeweiligen Zimmer entladen. Was für ein Luxus! Die Website ist bereits in Arbeit (werde ich hier posten, wenn es soweit ist), Facebook könnt ihr oben anklicken und auf Instagram findet man uns auch schon bereits (@serenitylodgenz). Wir haben jetzt ein paar Monate zur Vorbereitung der nächsten Sommersaison und haben wilde Pläne zur Gestaltung unserer Lodge, unseres Lebens und unserer Philosophie von einem ausgeglichenen und natürlichen Lifestyle. Sobald wir im Haus sind, kann es also endlich alles losgehen und das Gefühl von „auf Standby sein“ hat endlich ein Ende.

So, jetzt versuche ich mal zu schlafen, was die letzten Nächte echt schwierig war. Und versuche damit die Zeit totzuschlagen. Wie kann man nur so ungeduldig sein wie ich?! Ich hasse es, wenn ich auf timings keinen Einfluss habe und all meine Bemühungen nichts vorantreiben können. grrrrrr……..

einatmen… ausatmen……

Soviel für jetzt. Das ist die Kurzfassung. Es gibt noch soooooo viel mehr zu berichten…… Ich gelobe Besserung hinsichtlich der Regelmäßigkeit meiner Posts, damit ihr live mit uns zusammen in unser Traumhaus einziehen könnt.

Liebe Liebe Liebe!

3, 2, 1….. meins?

Hello hello!

Was wir machen, werdet ihr euch fragen. Berechtigterweise. Wir sind busy, könnte man allgemein sagen. Ben hat bereits einen ersten kleinen Job gefunden und hilft Freunden dabei ihr Haus verkaufsfertig zu machen. Er bastelt mit geliehenem Werkzeug und verbringt Zeit in Baumärkten, was ja bekanntlich ein grosses Hobby von uns ist. Klingt ironisch, ist es aber gar nicht.

Während dessen werden noch Dinge erledigt, die uns aus Deutschland noch „hinterher hängen“. Das sind hauptsächlich Rechnungen, die bezahlt werden müssen, aber auch noch die ein oder andere Angelegenheit mit dem Hausboot usw. Im Grossen und Ganzen merkt man aber, dass auch das weniger wird.

Ich bastele weiter an meinem Job und kann stolz berichten, dass unsere website nun online ist und wir fleissig natürliche Wellnessprodukte aus und um Neuseeland verkaufen. Yay! Für alle die es interessiert: www. wellntruly.com. Bald werden wir auch weltweiten Versand anbieten können! 😉

Ach und nebenbei haben wir noch ein Angebot für ein Haus abgegeben! JAAAA!!! Soooo spannend!!!! Letztes Wochenende sind wir nach Nelson geflogen (Nordspitze Südinsel), um uns dort verschiedene Häuser anzuschauen. Die Nelson/Tasman Region hat mich seit meinem ersten Besuch in Neuseeland schwer fasziniert und nicht mehr losgelassen. Goldene Strände, Palmen, dichter Urwald, Robben, Delphine und Wale. Vor deiner Haustür. Bei unserem letzten Besuch im vergangenen Jahr, habe ich Ben die Gegend gezeigt und auch er hat sich in die kreative Gelassenheit der Menschen, die wunderschöne fast südseeartige Natur der Gegend und das stets gute Wetter verliebt. Hinzu kommt, dass man in der Gegend ein grosses Haus für ein Drittel des Preises in Auckland kaufen kann. Also, gesagt getan: Auf nach Nelson!

Wir haben uns direkt in der Stadt aber auch in der weiteren Umgebung Häuser angeschaut und hatten dabei eines ganz besonders im Auge. Es liegt in Marahau (siehe Karte), das ist der letzte kleine Ort vor dem Abel Tasman National Parc. „Unser“ Haus ist das letzte vor dem Park. Es bietet genügend Platz, um 3 Gästezimmer im Sommer unterzuvermieten und damit den Kredit locker abzubezahlen. Und das ist auch der Plan: Im Sommer Vermietung – im Winter hat man seine Ruhe. Ach und den Job, den ich gerade mache, kann ich ja glücklicherweise von überall aus machen, solange ich Internet habe. Und das gibt es dort (hab ich schon gecheckt). 😉

Status Quo ist nun also, dass wir ein Angebot auf das Haus abgegeben haben, was relativ weit vom gewünschten Kaufpreis entfernt war. Der hat ein Gegenangebot gemacht, wir sind ein bisschen hoch gegangen, er wieder ein Stückchen runter und wir noch ein Stückchen hoch. Und da stehen wir jetzt. Wir warten auf die Antwort des Verkäufers, ob er unser Angebot akzeptiert. Und wir bangen. Und hoffen. Und wünschen. Und beten (zu wem auch immer). Und verhandeln mit Karma, wie viele Punkte wir einlösen müssen und dass wir vorbildliche Erdenbürger sein werden, wenn wir denn nur dieses Haus bekämen. Vielleicht kann der ein oder andere von euch auch noch seine Däumchen drücken? Das würde sicherlich helfen.

Das Haus hat die Hausnummer 321.

3, 2, 1, …meins?

Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf.

Heute sind Ben und ich 3 Jahre zusammen! DREI JAHRE. Whohoooo!

NUR drei Jahre muss man ja sagen. ERST drei Jahre. Zusammen, nicht drei Jahre verheiratet. Normalerweise würde man jetzt so langsam mal darüber nachdenken, vielleicht zusammen zu ziehen. Oder ggf. ein Auto zusammen zu kaufen.

Wir haben in unseren ersten drei Jahren offensichtlich ein bisschen mehr Gas gegeben als andere in jungen Beziehungen. Wir haben nicht nur gemeinsam auf unserem Hausboot in Berlin gewohnt, dies ausgebaut und aufpoliert, sind auf kleine und grosse Reisen gegangen, haben geheiratet, sondern haben dann alles verkauft, verschenkt, verpackt und sind gemeinsam ans andere Ende der Welt gezogen.

In den Taschen unsere Liebe, einen kleinen Puffer auf dem Konto und so viel Tatendrang in unseren Herzen, um nun gemeinsam hier unser neues Leben aufzubauen. So richtig neu fühlt sich alles aber gar nicht an. Nur anders. Ein neues Leben bekommt man ja nicht. Man ändert eben nur alles. Man hat nur ein Leben. Same same but different. Gott, ich bin so weise…

Zurückblickend würde sicherlich der ein oder andere denken, dass Ben mich direkt beim ersten Treffen geschwängert hat und wir nur deswegen so schnell geheiratet haben. Dem ist aber nicht so. Wir sind einfach grosse Fans davon, unser Leben eigenständig zu gestalten und nicht von äußeren Bedingungen bestimmen zu lassen. Worauf sollen wir denn auch warten?!

So sind wir beide tatsächlich erzogen worden: frei und neugierig. Ohne in bestimmten Grenzen zu denken. Und das, obwohl Ben in West-Berlin aufgewachsen ist und im wahrsten Sinne des Wortes von Grenzen umgeben war. Der freie Geist unserer Eltern hat uns gelehrt, uns davon nicht beschränken zu lassen. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Auch wenn ich mir vielleicht an verschiedenen Stellen als Kind und Jugendliche mehr Grenzen gewünscht hätte und das vergebliche Austesten von unsichtbaren Grenzen etwas exzessiv enden kann, dann hatte es doch das Gute, dass am Ende selbstständige Freigeister entstanden sind, die zwar Respekt aber keine Angst vor grossen Veränderungen haben.

Wir haben unabhängig voneinander gelernt mit unseren Händen und Köpfen zu arbeiten. Wir sind beide recht handwerklich begabt – Ben als Tischler und allrounder, ich als Schneiderin und furchtlos diversen Maschinen und Werkzeugen gegenüber. Mit Ben muss ich mir niemals Sorgen machen, dass wir irgendwo auf der Strasse landen würden. Wir könnten uns selbst aus Holzresten ein Haus bauen. Überall. Jederzeit. Das gibt ein wohliges Grundvertrauen, dass mich bei all der Veränderung um uns herum ruhig schlafen lässt. Das heisst wiederum nicht, dass man unbedingt handwerklich begabt sein muss, um auszuwandern. Schaden tut es aber sicherlich nicht.

Ben und ich sind gerade erst wieder aufeinander getroffen und haben die vorprogrammierten ersten Holperigkeiten gekonnt gemeistert. Nun konzentrieren wir uns darauf, unser gemeinsames Leben wieder weiter voran zu treiben und zu gestalten.

Das alles klingt wirklich sehr nach Pippi Langstrumpf. Und der ein oder andere wird sicherlich sagen, dass das nichts für ihn wäre, oder dass wir vorsichtig sein sollten oder dass wir zu schnell sind. Oder dass er es auch gern machen würde, aber das ginge ja  aus verschiedensten Gründen nicht. Oder oder oder…..

Nicht nur, dass Pippi Langstrumpf mich bereits mein Leben lang begleitet und durchaus geprägt hat, sie hat zusammen mit Momo und Ronja Räubertochter meine Sicht auf die Welt und das Leben geprägt. Danke Astrid Lindgren, danke Michael Ende! Eure Bücher trage ich sogar zum anderen ende der Welt mit mir herum.

Ich habe mal gelesen, dass es den Begriff „Versuch“ nicht gibt. Entweder man macht etwas oder nicht. Man versucht nicht auszuwandern. Man wandert aus. Der Begriff „Versuch“ ist nur eine Entschuldigung für das eigene Gehirn, um hinterher sagen zu können, dass es  ja nur einen Versuch war. Auch wenn es vielleicht nicht geklappt hat. Wobei das „nicht klappen“ tatsächlich eine merkwürdige Bezeichnung ist, meiner Meinung nach. Viele haben mich mit grossen Augen angeschaut, als ich sagte, dass wir auswandern. Und eine der häufigsten Fragen war „Und was ist, wenn ihr es nicht schafft?!“ Was heisst denn „nicht schaffen“? Sein Geld verlieren? Zurückkommen müssen? Dann habe ich doch aber trotzdem all das erlebt, was ich erlebt habe. Dann habe ich doch trotzdem unendlich viel geschaffen bzw. für mich erreicht, Erfahrungen gesammelt, mein Verständnis von der Welt erweitert. Das geht ja nicht verloren, nur weil ich ggf. aufgrund von äußeren Gegebenheiten den Heimweg antreten müsste. Und wer sagt, dass wir in einem solchen Fall wieder nach Berlin zurückgehen würden?

Pippi sagt: „Lass dich nicht unterkriegen. Sei frech und wild und wunderbar.“

Wir haben den Versuch gewagt. Das klingt besonders mutig, empfinden wir beide aber eben gar nicht so. Es ist wie gesagt nur anders. Es ist ein Abenteuer, klar. Und das ist das Beste daran. 🙂

Auf die nächsten drei Jahre! Und nochmal drei und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal…………………………………….

 

 

Da issa.

Mein Mann ist da. Wie unglaublich…… Heute ist der 1. Mai (!). Es ist knapp 3,5 Monate her, dass ich in Auckland gelandet bin. Nun ist mein Ben auch endlich da. Mein Schatz, meine Liebe. So richtig merkt man erst, wie sehr man jemanden vermisst hat, wenn man ihn dann endlich wieder sieht.

Wir haben die ersten (leider sehr verregneten Tage) damit verbracht, ihn von seinem Jetlag abzuhalten und sind direkt losgezogen und haben unglaublicherweise bereits ein Auto gekauft! Noch fahren wir mit unserer kleinen lilafarbenen Miet-Reisschuessel* durch die Gegend, aber in ca. 1 Woche wird unser Auto dann abholbereit sein. Standesgemäß ist es wie in Deutschland ein Mercedes. Nur ein anderes Modell. Alles zweitrangig – das Wichtigste ist, dass es uns von A nach B bringt UND wieder zurück. Und das wird es. 🙂

Wir haben tatsächlich auch am vergangenen Wochenende bereits ein paar open homes besucht und uns Hauser angeschaut. Da wir uns aber nicht bis über beide Ohren verschulden wollen, bevor wir hier überhaupt richtig Fuss gefasst haben, sieht eine Immobilie in Auckland – oder zumindest hier in St Heliers – recht unwahrscheinlich aus. Auch wenn uns ein Haus direkt weggepustet hat und wir es sofort genommen hätten. Wir wollen einfach nicht von Monster Kreditraten erwürgt werden. Die Banken hier sind recht großzügig mit der Vergabe von Krediten, was Teil des problematischen Immobilienmarktes hier ist. Nur weil man könnte, muss man es ja nicht machen. Vor allem nicht um jeden Preis – im wahrsten Sinne des Wortes.

So basteln wir uns die ersten Tage zurecht. Neben den ganzen to dos wie Handyvertrag, Steuernummer und Bankkonto haben wir aber auch bereits ein klitzekleines bisschen von der Stadt gesehen und vor allem am ersten gemeinsamen Abend auf unsere Reunion angestossen. Soviel Zeit muss sein.

Nun werden wir es wohl erstmal ein bisschen langsamer angehen lassen. So ein Jetlag ist nicht zu unterschätzen und auch die Tatsache, dass man sein Gehirn von links auf rechts zieht (andere Sprache sprechen, nicht von einem Auto überfahren werden, wenn man über die Strasse geht, neue Geraeusche, neues Klima, neue Menschen….) ist ganz schön anstrengend. Also: Eile mit Weile.

Das Gute ist, dass wir nicht zuuuu viel Zeitdruck haben und uns erstmal (ein-)finden können. Durch meinen „Vorsprung“ koennen wir ein wenig von meinen Erfahrungen profitieren und dann sortiert den Weg in die Zukunft antreten.

Jetzt scheint die Sonne auch wieder mit aller Kraft und auch wenn es jetzt herbstlich kühl geworden ist (16ºC), so hat man doch so viel Licht und Wärme, dass es einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Willkommen zu Hause, mein Schatz! xxx

 

 

 

 

 

*Ich muss das schreiben (für Johanna): Reisschüssel = Scheissrüssel 😀